Sauti za Busara – Musikfestival in Zanzibar Town

Vergangenes Wochenende war es soweit: In Zanzibar Town fand zum zehnten Mal das afrikanische Musikfestival „Sauti za Busara“ („Stimmen der Weisheit“) statt: http://www.busaramusic.org/

Die Hauptacts traten in der alten portugiesischen Festung, dem Old Fort, auf, dessen Kulisse eine herrliche, schön entspannte Festivalatmosphäre schaffte. Kein Gequetsche, Gedrängle und Gegrabsche wie ich es leider in Marokko auf Festivals häufig kennengelernt hatte. Stattdessen: Viel Platz zum Tanzen und mehrheitlich unaufdringliche Leute, natürlich auch sehr viele Touris. Das einzig Ärgerliche: Die „wazungu-Preise“ (Eintrittpreise für Europäer/Ausländer) lagen, sofern man keine Residence oder Work Permit vorweisen konnte, erheblich über den Preisen für Tansanier bzw. Ostafrikaner. Ich konnte zum Glück über Maki, eine japanische Freundin, für den zweiten Festivaltag ein Residence-Ticket von einer bereits abgereisten Freundin bekommen und kam somit kostenlos hinein 🙂 Für den ersten Tag allerdings hatte ich in den sauren Apfel beißen und den wazungu-Preis bezahlen müssen 😦

Die Bands kamen aus den verschiedensten afrikanischen Ländern, u. a. Senegal, Mali, Simbabwe, Tansania, Burkina, Faso und boten einen weitgefächerten Musikmix aus Elektro, religiöser Musik, Funk, Hip-Hop, etc. Vor allem „Mokoomba“ aus Simbabwe und der Schlussact Cheikh Lô aus dem Senegal waren richtig klasse! Und wie die Musiker alle tanzen können – unglaublich! Bühnenperformance und auch Outfits der Musiker: 100 Punkte! Aber schaut’s euch unten einfach selber an!

 

Khaira Arby (Mali):

Khaira Arby (Mali):

Mokoomba (Simbabwe):

Reggae-Intermezzo:

Cheikh Lô (Senegal):

Neues Jahr, neues Outfit und Nachtrag aus den letzten zwei Wochen Sansibar

Ja, wie ihr seht, hat mein Blog zum neuen Jahr ein neues Outfit erhalten! Ich hoffe, es gefällt euch?!

Bevor es für mich wieder nach Sansibar geht (Ja, ganz richtig gelesen! Dazu mehr im nächsten Eintrag.) muss ich noch einen letzten Eintrag vom Dezember 2012 nachholen. In meinen letzten zwei Wochen auf der Insel habe ich nämlich noch einiges erlebt. Zunächst stand ein Ausflug mit den Salsaleuten nach Kizimkazi an, ein kleines Nest im Süden Sansibars, in das sich kaum Touristen verirren, obwohl es bekannt dafür ist, dass man dort Delfine beobachten kann. Wir übernachteten alle in einer Art Ferienhaus und waren den ganzen Abend mit Essensvorbereitungen und Essen und dann bis in die frühen Morgenstunden mit Salsatanzen, Musikhören, Quatschen, etc. beschäftigt. Am nächsten Mittag dann auf zur Delfintour! Ich hatte schon befürchtet, dass es sich um eine dieser Touren handelt, bei der die Delfine von mehreren Booten zusammengedrängt werden und furchtbarem Stress ausgesetzt werden, nur damit ein paar Menschen sie zu Gesicht bekommen können. Aber nein: Wir nahmen nur für uns ein kleines Boot samt lustigem Bootsfahrer und fuhren in sicherem Abstand an den Delfinen vorbei. Nachdem wir die erste halbe Stunde mit strömendem Regen gekämpft hatten, lichtete sich der Himmel und ein paar von uns (ich natürlich auch) sprangen ins Meer um mit den Delfinen zu schwimmen. Nun gut, diese suchten ganz schnell das Weite 😉 Aber es war unglaublich wie klar das Wasser war und erst diese türkisgrüne Farbe! Wahnsinn!

Das zweite Event, das anstand, war eine sogenannte „Kitchen Party“, auf die ich und Maki, eine Japanerin aus dem Salsakurs, von Talhat, auch aus dem Salsakurs, eingeladen worden waren. Es handelt sich um eine reine Frauenparty, die immer einen Tag nach der Hochzeit stattfindet und auf der die Braut, wie es der Name schon verrät, mit reichlich Küchenmaterialen u. a. praktischen Haushaltsgegenständen beschenkt wird. Diese Kitchen Partys sind übrigens ein typischer Bestandteil der Swahilikultur und sind in ganz Ostafrika verbreitet. Dabei spielt weder die Religion der Braut noch die der Gäste eine Rolle. Die Braut war übrigens Talhats Schwester und Talhat hatte mich beauftragt, die ganze Party fotografisch festzuhalten. Gesagt, getan! Das besondere an dieser Kitchen Party war übrigens, dass es sich gleichzeitig um eine „Kanga Party“ handelte. D. h. alle eingeladenen Frauen mussten vorab einen bestimmten Kanga (Tuch mit Sinnsprüchen auf Swahili) kaufen und diesen in egal welcher Form an diesem Abend tragen. Maki und ich ließen uns von Ayda, einer Designerin, die ebenfalls mit uns im Salsakurs war, ein Kleid schneidern. Manche Frauen trugen das Tuch nur als Dekoschal über die Schulter und Talhats Kinder hatten Hosen und Kapuzenshirt aus dem Kangastoff an. Es war echt faszinierend etwa 160 Frauen im gleichen Stoff gekleidet zu sehen! Ich musste ein bisschen an die studentischen Mottopartys denken, auf denen ich in Jena und in Frankreich mehrfach gewesen war.

Im Laufe der Party fing dann die traditionelle Taraab-Band an zu spielen, viele Frauen gingen vor an die Bühne, wiegten sich zum Takt der endlos dahinfließenden Musik und setzten sich nach einem Lied wieder hin nur, um im nächsten Moment für das nächste Lied wieder an die Bühne vorzugehen. Nach einer kurzen Salsavorführung unsereseits kam die Braut begleitet von ihrer besten Freundin herein, setzte sich auf der Bühne auf eine Art Thron und nahm alle Glückwünsche und Geschenke entgegen. Fazit des Abends: Ein sehr interessantes Erlebnis! Wir fassten gegen 1 Uhr nachts schließlich noch den verrückten Plan nach Kendwa in den Norden zu fahren, um dort noch auf eine Party zu gehen…

Ihr könnt all dies und noch ein paar weitere Eindrücke aus Zanzibar Town unten auf den Fotos sehen. Tja, und gerade sitze ich schon (wieder) auf dem Frankfurter Flughafen und vertreibe mir die Wartezeit mit Lesen und Zupfkuchenessen (danke Mutti!). Den dazugehörigen togoischen Kaffee, pardon natürlich den „Coffee to go“, gab es für unschlagbare 1,50 € – und das auf dem Flughafen! Noch unschlagbarer (kann man das steigern?): Als ich dem Cafébetreiber 2 € in die Hand drückte und er keine 50 Cent rausgeben konnte, gab er mir den Kaffee für 1 € mit. Und ich dachte so etwas passiert mir immer nur in Marokko J

Das UNESCO-Weltkulturerbe bröckelt – Teile des Dachs und Säulen des House of Wonders in Zanzibar Town kamen herunter

Traurig, aber wahr: Letzten Samstag knirschte es arg im morschen Gebälk des House of Wonders in Zanzibar Town, das Teil des UNESCO-Weltkulturerbes (http://whc.unesco.org/en/list/173) von Stone Town ist. Nach dem ersten Herabbröckeln des Dachs gab es eine Warnung, bevor dann zwei Stunden später ein Teil des hinteren Dachs herunterkam und einige Säulen mit herabriss. Glücklicherweise waren keine Leute vor Ort, nur ein Taxi, mit dem ich übrigens den Abend vorher noch nach Hause gefahren war, wurde komplett demoliert. Es sah aus, als ob das Haus bombardiert worden sei – schrecklich! (Das wurde es tatsächlich einmal während des Britisch-Zanzibarischen Krieges 1896, der mit seiner Dauer von nur 38 Minuten als der „Kürzeste Krieg der Weltgeschichte“ ins Guinnesbuch der Rekorde eingegangen ist.)

Jedenfalls hat wohl die „Stone Town Heritage Society“ (http://www.zanzibarstonetown.org/) eindeutig versagt! Denn sie sollte eigentlich für den Erhalt der UNESCO-Weltkulturerbes aus Sansibar zuständig sein. Mit den Eintrittsgeldern zum House of Wonder (immerhin umgerechnet etwa 3 € pro Besucher) scheint jedenfalls etwas anderes als Restaurierungsarbeiten finanziert worden zu sein…

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Die Spezies Mzungu

Diesmal gibt es unten wieder ein paar neue Eindrücke aus Zanzibar Town, wobei ich die Innenstadt mittlerweile so ziemlich an allen Ecken abgeklappert habe. Schade, dass ich mit meiner Kamera nachts so schlecht Aufnahmen machen kann, denn die Atmosphäre, wenn man durch die engen Altstadtgassen läuft, ist ganz besonders und ich würde sie gerne mal irgendwie „einfangen“… Naja, bleibt mir nur, jeden Abend aufs Neue auf dem Weg zum Salsakurs hindurchzulaufen.

Vormittags ist es in letzter Zeit allerdings oft alles andere als angenehm durch die engen Gassen zu laufen, nämlich genau dann, wenn mal wieder ein Regenschauer über der Stadt hereinbricht und man das Gefühl hat durch einen Fluss zu laufen. Ich habe mittlerweile meine marokkanischen Ledersandalen auch gegen Gummi-Flip-Flops ausgetauscht, um gegen die tiefen Pfützen gewappnet zu sein. Zum Glück trocknet man ja schnell wieder, aber ich denke, ein Regenschirm wäre trotzdem einmal keine schlechte Investition …

Heute muss ich mich auch endlich einmal einem Thema widmen, das mir hier seit der Ankunft begegnet ist, und über das ich auch schon mit einigen Einheimischen diskutiert habe: Es gibt nämlich hier eine ganz besondere Spezies, „Mzungu“ genannt, zu der ich übrigens auch gehöre. Mzungu heißt auf Swahili so viel wie „Weißer“ oder „Europäer“ und so werden von den Einheimischen eben diese Leute genannt. Ich werde manchmal sogar einfach mit „Mzungu“ angesprochen bzw. haben mir es schon ein paar Bauarbeiter lauthals hinterhergerufen. Und einmal nach dem Salsakurs hat mir mein Tanzlehrer geholfen einen Taxifahrer zu finden und hat diesem dann soviel gesagt wie „Einmal Mzungu fahren, bitte!“. Ist schon komisch, auf diese Eigenschaft reduziert zu werden. Im touristischen Zentrum von Zanzibar Town werden auch grundsätzlich alle herumlaufenden „Wazungu“ (die Mehrzahl von Mzungu) angesprochen, ob sie nicht ein Taxi/Souvenir-T-Shirt/Gewürzpaket haben wollen, denn, so vermutlich die gängige Assoziationskette Mzungu = Tourist = reich. Als ich mich mit zwei Einheimischen darüber unterhielt und meinte, dass diese Fixierung auf das Weißsein schon eine Art Rassismus darstellt, waren sie vollkommen meiner Ansicht. Denn mal ehrlich: Würde ich einem Schwarzen in Deutschland auf der Straße hinterherrufen „He, du Schwarzer!“ (und würde es auch noch so nett und erfreut klingen), würde man doch von Rassismus sprechen, weil ich die Person nur auf ihre Hautfarbe reduziere, oder? Außerdem meinten sie, dass es unfair sei, Wazungu höhere Preise zahlen zu lassen als Einheimische. Hier in den Museen ist dies tatsächlich so (und so war es auch schon in Marokko), aber auf dem Markt und in den kleinen Tante-Emma-Läden habe ich eigentlich immer den Eindruck, dass die Leute mir die echten Preise nennen. Und sie geben auch immer akribisch genau Wechselgeld heraus, was ja in Marokko sehr oft leider nicht der Fall war und v. a. oft Taxifahrer versuchten, einem immer noch einen kleinen zusätzlichen Betrag abzuzwacken.

Generell finde ich ja, wie gesagt, dass die Leute hier auf Sansbar relativ unaufgeregt mit Ausländern umgehen und einen eigentlich in Ruhe lassen. Ich habe nur gehört, dass man, wenn man z. B. am Busbahnhof in Moshi in Tansania-Festland als Mzungu auftaucht, erst einmal komplett jegliche Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und auch da, wo ich 20 min. außerhalb vom Stadtzentrum wohne, werde ich öfter angestarrt. Aber letztendlich bin ich das ja noch von Marokko gewöhnt und es ist auch ein anderes anstarren und ansprechen als in Marokko: Nämlich freundlich und respektvoll (immer die üblichen Begrüßungsfloskeln gefolgt von „Karibu“ = Willkommen) und keine dämlichen Anmachesprüche wie in Marokko. Soviel also zur Spezies Mzungu!

Sansibar, Klappe die Zweite!

Uff, schon wieder ist eine arbeitsreiche Woche rum – unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht! Nun bin ich schon seit über drei Wochen auf Sansibar! Diese Woche standen allerdings weniger Projektbesichtigungen, sondern stattdessen viel Arbeit am Laptop an, da ich gerade dabei bin, eine Teilnehmerdatenbank zu erstellen. Endlich kann ich so „learning by doing“ mal richtig Excel lernen. Es ist manchmal echt tricky, aber das dafür logische Denken macht mir großen Spaß! Ebensolchen Spaß machen die Salsastunden, an denen ich hier jede  Woche (diese Woche aufgrund der vielen Arbeit leider selten) in einem Hotel teilnehme. Eigentlich dachte ich bisher immer, ich sei für diesen Musikstil zu unrhythmisch, aber ich komme langsam hinein. Und ich bin nicht allein: auch die Einheimischen haben manchmal mit dem vertrackten Salsarhythmus  zu kämpfen.

Die traditionelle Musik Sansibars ist übrigens der Taraab, eine Musikrichtung, die auf ägyptischen Einfluss zurückgeht und sich im Laufe der Zeit mit indischer Filmmusik vermischt hat, aber auch andere arabische, afrikanische und europäische Elemente aufweist. Wie sollte es auch anders sein bei dem ganzen Kulturmix auf der Insel! So spielen in einem Taraaborchester u. a. Trommeln („ngomas“), Streicher, Keyboard und eine Art Klarinette mit.  Ich muss unbedingt nächste Woche versuchen zu solch einem Taraabkonzert in die hiesige Musikschule zu gehen! Wobei wir letztes Wochenende bereits einmal Taraabmusik hören konnten als wir in eine Hochzeit hineinstolperten und uns für ein paar Minuten unter die Gäste setzen durften. Es waren fast nur Frauen anwesend und ich habe noch nie so herrliche und viele Kleiderfarben („gowni“) auf einem Haufen gesehen! Im Innenhof einer Schule, wo die Hochzeit gefeiert wurde, spielte das Taraaborchester mit Sängerin auf einer Bühne und davor standen eine große Gruppe weiblicher Hochzeitsgäste, wiegten sich im Takt der Musik und sangen die Lieder über die Geschichte und Kultur Sansibars mit.

Apropos Musik: Wusstet ihr, dass Freddy Mercury aus Sansibar stammte? Er wurde nämlich 1946 als Faroukh Bulsara auf der Insel geboren und lebte hier bis zu seinem zehnten Lebensjahr bevor er nach Indien ging, wo seine Eltern ursprünglich herstammten. Ich habe in Zanzibar Town natürlich schon die obligatorische „Freddy Mercury“-Bar und das „Freddy-Mercury“-Haus entdeckt. Mich würde ja allerdings mal interessieren, was die Sansibaris eigentlich dazu sagen, dass Mercury schwul war und an AIDS gestorben ist …?

Letzten Samstag waren wir ein zweites Mal im Norden Sansibars, in Nungwi, unterwegs, um dort weitere mögliche Freiwilligeneinsatzstellen kennenzulernen und bestehende Projekte zu besichtigen. Darunter waren eine Schule, ein Kindergarten und das schon bestehende Dhow-Bauprojekt, wo man lernen kann, wie die traditionellen Boote gefertigt werden. Das war sehr interessant zu sehen und der Strand von Nungwi war mal wieder umwerfend schön! Wir fuhren gegen Abend auf dem Rückweg noch am Strand von Kendwa vorbei – auch hier herrliches türkises Meer und weißer, superfeiner Sand. Das Meer war so ruhig, dass man das Gefühl hatte, in einem See zu schwimmen (wenn es nicht so salzig gewesen wäre). Sonntag schließlich war ich auf einer weiteren Sightseeingtour in Stone Town unterwegs. Ich kann von dieser Altstadt einfach nicht genug bekommen! Ich besichtigte zunächst den ehemaligen Sklavenmarkt und die Anglikanische Kirche. Sansibar war im 19. Jahrhundert nämlich der weltgrößte Sklavenmarkt und die arabischen Sklavenhändler sollen in diesem Jahrhundert mehr als drei Millionen afrikanische Sklaven in arabische Länder, Persien, Indien aber auch Europa verschifft haben. Bzw. kamen auch auf Sansibar selbst viele Sklaven als Hausdiener und auf den Nelkenplantagen zum Einsatz. Man kann neben der Anglikanischen Kirche, die auf dem Platz des ehemaligen Sklavenmarktes steht, eine Sklavenkammer besichtigen, in die die Sklaven vor der Weiterschiffung für mehrere Tage eingepfercht wurden. Gruselig! Draußen steht zudem ein von einer schwedischen Künstlerin gestaltetes Denkmal, auf dem man an den Hälsen aneinandergekettete Sklaven sieht. Der Guide erzählte mir, dass man so vor allem Frauen ankettete und auch immer Menschen unterschiedlicher Muttersprache hintereinanderkettete, damit sie keinen gemeinsamen Aufstand anzetteln konnten. Auf jeden Fall ein sehr trauriges Kapitel in der sansibarischen Geschichte! Im Nordwesten der Insel kann man auch noch Sklavenkammern besichtigen, die in den Fels nah am Meer gehauen worden waren. Denn ab 1875 war die Sklaverei unter britischer Protektoratsherrschaft offiziell verboten worden, doch illegal ging der Sklavenhandel an der Küste Sansibars bis Anfang des 19. Jahrhunderts weiter.

Im Anschluss musste ich mich von einem Einheimischen zum Persischen Hammam führen lassen, da ich diesen im Gassengewirr und mit der komischen Karte in meinem Reiseführer selbst nie gefunden hätte. Ein sehr schöner und vor allem großer Hammam, der von Sultan Bargash Ende des 19. Jahrhunderts für die reiche arabische Bevölkerung angelegt worden war und der bis in die 1920er genutzt wurde.

Letzte Sightseeingstation war das Palastmuseum, in dem einst die Sultane von Sansibar residierten. Im Museum gibt es einen Ausstellungsraum, der komplett einer gewissen Emily Ruete gewidmet ist. Sie war die Tochter von Sultan Said, „Sayyida Salme“ genannt, und lernte auf Sansibar den deutschen Handelsvertreter Heinrich Ruete kennen. Als sie schwanger war und sich und dem Sultanshaus die öffentliche Schande ersparen wollte, floh sie mit einem britischen Schiff nach Deutschland, heiratete Ruete und brach mit ihrer Herkunft. So konvertierte sie z. B. vom Islam zum Christentum. Ihr Mann starb allerdings nach vier Jahren, als er unter eine Straßenbahn geriet, und so blieb Emily wohl ziemlich unglücklich in Hamburg zurück. Denn die Sultansfamilie auf Sansibar wollte nichts mehr mit ihr zu tun haben. Und der Kreis schließt:  Emily Ruete starb schließlich  in Jena – wer hätte das gedacht! Ich weiß allerdings gar nicht, ob sich ihr Grab auch auf einem der Friedhöfe dort befindet. Also, liebe in-Jena-Wohnende, ihr habt einen Forschungsauftrag!

Jambo Sansibar!

Omanische, persische, portugiesische, britische und deutsche Einflüsse – all dies findet man auf Sansibar. Es handelt sich bei Sansibar eigentlich um ein Inselarchipel vor der tansanischen Ostküste bestehend aus den Hauptinseln Unuguja und Pemba, sowie 50 kleinen Inseln und Halbinseln.

Ich befinde mich seit nun fast zwei Wochen auf der Hauptinsel Unguja, wohne in Zanzibar Town und werde dort für meinen neuen Job bei der Freiwilligenvermittlungsorganisation World Unite! eingearbeitet. Diese wird bald ihr Büro in Stone Town, dem historischen Altstadtkern von Zanzibar Town haben, wenn denn endlich einmal die Möbel vom Festland eintreffen. In der Zwischenzeit sind Chris, mein Chef, und Nicole, die wie ich ebenso für die Kommunikation der Organisation zuständig sein wird, viel unterwegs und besuchen Freiwilligeneinsatzstellen, so z. B. eine Wassertankbaustelle, auf der zwei ugandische Tüftler einen Wassertank nur aus mit Erde gefüllten Plastikflaschen bauen, das Sober House für Drogenentzug, eine Schule für lernschwache und arme Schüler, etc. So lerne ich interessante Initiativen, sehr engagierte Leute und gleichzeitig ein bisschen die Insel kennen.

In Zanzibar Town selbst habe ich bisher schon die herrliche, arabisch geprägte Altstadt kennengelernt, an der man an jeder Ecke auf die vielfältigen kulturellen Einflüsse trifft: arabische Schriftzeichen aus der Zeit der omanischen Sultansherrschaft, Hindutempel, eine anglikanische und eine katholische Kirche, portugiesische Kanonen vor dem „House of Wonder“. Letztgenanntes ist das Inselmuseum und erzählt didaktisch mehr oder weniger gut aufbereitet die Geschichte und Kultur Sansibars. Es heißt „House of Wonders“, weil in dem Haus der erste Fahrstuhl Ostafrikas eingebaut worden war (heute außer Betrieb) und weil auf dem Turm eine Uhr installiert wurde, auf der während des britischen Protektorats (ab 1890) die Zeit für die „Tea Time“ abgelesen wurde. Mitten im Museum steht eine Dhow, das typische Fischer- und Handelsschiff der Sansibaris, das auf omanische Einflüsse zurückgeht und die man noch oft am Horizont sehen kann, wenn man auf das Meer hinausschaut. Ja, die Altstadt ist einfach herrlich und auch die Strände, die wir bisher angefahren sind, waren einfach herrlich!

Was in Sansibar sehr nervig ist, sind die immer wieder auftretenden Stromausfälle und die langsame Internetverbindung (zumindest von unserem Wohnhaus aus). Von den Straßenverhältnissen will ich gar nicht sprechen… aber, es herrscht – Achtung, Achtung – Linksverkehr! Und an das feuchtwarme Klima muss ich mich auch erst noch gewöhnen. Im November ist aber zum Glück die kleine Regenzeit hier, so dass es zumindest ab und zu abkühlt und ein leichter Wind weht.

Was natürlich am feuchtwarmen Klima richtig toll ist, ist das es ein sagenhaftes Obstangebot hervorbringt  – ich habe noch nie so viele verschiedene Mango- und Bananensorten gesehen und probiere auch ständig neue Früchte und Fruchtsäfte aus. Ansonsten ist die Küche ebensolch ein Kulturmix wie das Äußere Stone Towns – tansanisches, indisches und europäisches (v. a. italienisches) Essen vermischen sich. Die meisten Touristen auf Sansibar kommen übrigens aus Italien – wer hätte das gedacht? Da scheint es immer günstige Angebote im Rahmen von Ferienklubs zu geben, wie mir ein Souvenirhändler erzählte.

Es ist übrigens sehr angenehm in Zanzibar Town unterwegs zu sein – keiner labert einen (anmachemäßig) an und wenn, dann begrüßen einen die Leute mit „Mambo“ oder „Jambo“ (beides Hallo, wie geht’s?) oder „Karibuni“ (Willkommen) und belassen es dabei. Auch die Händler sind freundlich, aber zurückhaltend.

Tja, soweit mein erster Eindruck von der farbenfrohen Insel. In etwa vier Wochen fahren wir noch weiter aufs Festland nach Moshi an den Fuß des Kilimanjaro, um dort weitere Projekte kennenzulernen. Ich bin sehr gespannt!