Sansibar wunderbar – kama kawaida (wie immer)!

In der Hoffnung vielleicht doch noch die letzte Fähre gegen 16 Uhr von Dar-es-Salaam nach Sansibar zu erhaschen, hatten wir früh morgens um 6 Uhr den Bus von Arusha nach Dar gebucht. Doch Pustekuchen! Die Fahrt zog sich aufgrund der, wie es so schön heißt, suboptimalen Straßenverhältnisse und einem Megastau am Außenrand Dars ewig hin und wir erreichten das Stadtzentrum nicht einmal vor 17 Uhr. Sitzen konnten wir am Ende der Busfahrt echt nicht mehr, denn die Sitze in der hintersten Reihe waren einfach nur supereng und die Fahrt durch die ständigen Bremshuckel auf der Fahrbahn super unbequem. Abgesehen von der Cola-Dusche, die ich mir selbst verpasste, als der Bus über einen der Bremshuckel zu schnell hinüberbretterte…

In Dar übernachteten wir schließlich sehr günstig in einem Hostel einer christlichen Fraueninitiative nahe am Fährhafen, wo es sehr sauber und bis auf die morgendlichen Jogger mit ihren militärisch anmutenden Motivationsgesängen auch sehr ruhig gewesen war. Der abendliche Spaziergang durch Dar auf der Suche nach einem Restaurant war sehr interessant: Man hatte das Gefühl fast nur indisch- und arabischstämmige Tansanier auf der Straße zu sehen. Nun ja, da diese finanziell meist bessergestellt sind als „schwarze“ Tansanier können sie sich das Leben im Stadtzentrum überhaupt leisten und müssen nicht in einem der zahlreichen Umgebungssiedlungen am Stadtrand wohnen.

Am nächsten Morgen um 7 Uhr nahmen wir die Fähre nach Sansibar. Für mich quasi: Welcome back home! Wir übernachteten bei meinem Gastvater in Stone Town und am ersten Tag standen erst einmal Wäsche waschen und ein Rundgang durch Stone Town auf dem Programm. Wahnsinnig viel hatte sich im Vergleich von vor einem Jahr nicht verändert, aber ich war geschockt, viele neu hochgezogene Hotels zu sehen. V. a. das klobige Hyatt an der Meeresfront überwältigte mich – allerdings eher im negativen Sinne!

Die Woche auf Sansibar verbrachten wir mit Gewürz-, Tücher- und Stoffshopping in Stone Town, Freunde treffen, Umherflanieren, morgendlichem Yoga am Strand mit Ayda und Freunde treffen. Olga und Yasmin unternahmen einen Ausflug an den Strand von Kendwa und kehrten sonnenverbrannt als „red lobsters“ zurück. Ich für meinen Teil verbrannte mir ebenfalls die Rückseite, jedoch beim Schnorcheln in Fumba. :-S

Mombasa – Kulturmix in der größten Hafenstadt Kenias

Von Lamu aus nahm ich wieder den Flieger nach Malindi und von dort aus gleich weiter ein Matatu nach Mombasa, von wo ich einen Direktflug nach Frankfurt gebucht hatte. Aber zunächst wollte ich mir natürlich noch diese Stadt, die zweitgrößte Kenias und größte Hafenstadt des Landes, anschauen. Diese erwies sich jedoch als ziemlich anstrengend: Verkehrsstau an allen Ecken, laut knatternde Tuk-Tuks überall, verpestete Luft und sehr  sehr heiß. Ich war froh, mich am ersten Abend von dem ganzen Trubel in das Terassenrestaurant eines großen Hotels flüchten zu können. Es war gerade die Zeit des Sonnenuntergangs und der Gebetsruf setzte nacheinander von allen Moscheen in der Umgebung ein. Ich fühlte mich kurz an Damaskus erinnert und musste auch am nächsten Tag feststellen, dass die ganze Stadt recht arabisch geprägt ist. Kein Wunder, immerhin waren im 17. Jahrhundert auch einmal die Omanis Herrscher über Mombasa gewesen nachdem sie die Portugiesen vertrieben hatten.

Mombasa ist aber nicht nur sehr arabisch, sondern auch sehr indisch geprägt. Das sieht man zum Einen an den Häusern mit Holzbalkons in der Altstadt und zum Anderen an den zahlreichen Hindutempeln (und vermutlich auch weitere kleinere indische Religionen, mit denen ich mich allerdings nicht gut auskenne) und infischen Restaurants,  die in der Neustadt zu finden sind. Ich wollte natürlich eines dieser indischen, sehr günstigen Restaurants ausprobieren und landete in einem vegetarischen Gujarati-Restaurant. Das sehr leckere und üppige Essen erschien mir um einiges authentischer als das Essen, was man so in indischen Restaurants in Deutschland vorgesetzt bekommt. Aber da ich noch nie in Indien war, ist das nur eine Vermutung. Leider war das Essen dann etwas zu authentisch, denn nachts machte sich mein Magen bemerkbar und auch am nächsten Tag dauerte es bis Mittags bis sich meine Übelkeit wieder gelegt hatte. Ich schonte mich aber keineswegs und besichtigte das Fort Jesus, eine große von den Portugiesen erbaute Festungsanlage mit einem herrlichen Blick über die Bucht, in der Mombasa liegt. Danach lief ich weiter Richtung Altstadt, nachdem ich einen nervigen Touristenführer mit meiner üblen Laune verscheucht hatte. Die Altstadt ist auch mit der in Stone Town zu vergleichen; sie ist jedoch weitaus größer und an einigen Ecken viel runtergekommener als die sansibarische Altstadt.

Das Straßenbild Mombasas ist ebenso bunt gemixt wie die Architektur: Muslimische Kenianer in traditioneller Kleidung (Kanzu und Kofia), bis auf den Augenschlitz komplett in Schwarz verschleierte Frauen, Frauen und Männer in „westlicher“ Kleidung vom kenianischen Innenland, indischstämmige Frauen in Saris, Frauen, v. a. Ältere, in mehrere Kangas eingewickelt, … Auch hier könnte ich einfach nur am Straßenrand sitzen und stundenlang die Leute beobachten. In der Neustadt türmten sich am Nachmittag Straßenstände mit Klamotten- und Schuhbergen auf, wie ich es noch aus Marokko in Erinnerung hatte und alle Verkäufer quatschten mich voll, doch bei ihnen etwas zu kaufen. Aber wie auch? Mein Rucksack war doch schon voll! Am nächsten Morgen nach einem zeitigen Frühstück auf der Dachterasse ließ ich mich zum erstaunlich kleinen Flughafen von Mombasa fahren und hatte prompt schwäbischen Dialekt um die Ohren – Eltern meckerten ihre Kinder voll – und ich realisierte, dass ich mich wohl langsam wieder mit Deutschland anfreunden musste… Und das nach einer Nacht, in der ich kaum geschlafen hatte, da es die Nacht zur Feier der Geburt des Propheten (Maulidi) gewesen war, und mich die nasal-gepressten Gesänge aus der nahegelegenen Moschee vom Schlafen abgehalten hatten…

P.S.: Noch eine letzte Beobachtung: Es war interessant während der Reise den Unterschied zwischen Tansania und Kenia zu erfahren, v. a. auch in der Mentalität der Leute. In Kenia sprachen alle deutlich besser Englisch als in Tansania und äußerten sich oft gleich im ersten Gespräch über politische Themen. Vermutlich ist das kenianische Bildungssystem besser als das tansanische. Die Kenianer erschienen mir in ihrer Art auch direkter und forscher als die extrem höflichen und zurückhaltenden Tansanier. Bzw. hatte auch Nyambura einen Mentalitätsunterschied zwischen der Swahiliküste und dem kenianischen Innenland festgestellt: Sie als Businesslady war auch stets sehr direkt und fordernd anderen gegenüber und haderte oft mit der indirekten Art der Waswahili. Sie meinte, in Lamu würde ein Problem nicht direkt geklärt, sondern erst einmal  alle Umstehenden einbezogen und so aus einer kleinen Sache ein riesen Ding gedreht. Und dann kann man nur reden, reden und verhandeln, um die Sache zu lösen.

Zudem ist in Kenia der Tourismus deutlich besser organisiert als in Tansania. Das sah man schon daran, dass alle Sehenswürdigkeiten von den National Museums of Kenya betreut und mit Infotafeln bestückt werden. So gibt es auch immer Guides, die einem kostenlos die jeweilige Materie näherbringen. Irgendwie war alles ein bisschen organisierter und transparenter als in Tansania. Nun gut, Kenia ist einfach durch den Kapitalismus geprägt und auch wirtschaftlich DER aufstrebende Staat in Ostafrika, Tansania hingegen ist sozialistisch geprägt.

Autos müssen draußen bleiben: das Lamu-Archipel

Seitdem mir jemand einmal erzählt hatte, dass Lamu fast wie Sansibar, aber noch konservativer sei, und es dort keine Autos, sondern nur Boote und Esel als einzige Transportmittel gäbe, hatte ich mir in den Kopf gesetzt, dieses Insel-Archipel im Nordosten Kenias unbedingt einmal zu bereisen. Gesagt, getan! Von Malindi nahm ich wieder eine kleine, aber feine „Fly540“-Maschine und flog nach Lamu. Die Straße nach Norden zwischen Malindi und Lamu hat keinen guten Ruf und es hatte bereits Überfälle auf Busse gegeben, so dass ich es vorzog, das Flugzeug zu nehmen, auch wenn das meine Umweltbilanz für dieses Jahr schon deutlich verschlechterte… Im Vorfeld hatte ich mit Couchsurferin Nyambura in Lamu Kontakt aufgenommen, die mir ein Taxiboot organisierte und mich direkt vom Flughafen, der sich auf der Manda-Halbinsel gegenüber von Lamu Town befindet, abholte. Wir steuerten ein Nachbardorf von Lamu Town, Shela, an, in dem Nyambura, eine Schmuckdesignerin aus Nairobi, ihren Shop betreibt (http://www.africancornerexport.com/). Mit ihrer Hilfe fand ich schnell ein günstiges Gästehaus mit einem angeschlossenen supergünstigen und superleckeren Restaurant. Am Nachmittag zeigte mir Nyambura Shela, in dem, wie sie mir erzählte, mehr als 50% Wazungu-Einwohnerquote herrsche. Und richtig: Überall schicke und teure, von Europäern gebaute Strandhäuser und Hotels. Sogar der Prinz von Hannover hat hier zwei Anwesen – sieh an!

Abends fuhren wir mit dem Boot auf eine weitere Nachbarinsel zum Open-Air-Kino. Dort sammelten sich die ganzen neureichen Sprösslinge der hier ansässigen Europäer, US-Amerikaner und Australier, die in der neuesten Mode gekleidet und ordentlich gestylt Zigarre (!) rauchend den Film schauten. Auch die ältere Expat-Generation, vorwiegend ältere Damen, war sehr kurios zu anzusehen mit ihrem Stilmix aus Safari-Klamotten, 80er-Jahre-Brillen und teurem Bling-Bling-Schmuck.

Den nächsten Tag fuhr ich morgens zusammen mit Nyambura in die Stadt, sprich nach Lamu Town, und während sie im Gottesdienst war, besichtigte ich das Stadtmuseum. Die Kirche lag direkt neben dem Museum, so dass mein Ausstellungsbesuch durch schöne Gospelmusik untermalt wurde. Die Geschichte des Inselarchipels ist einfach superinteressant und ich erfuhr auch Neues über Deutschland: So hatte es in Witu, südöstlich von Lamu gelegen, einst ein deutsches Schutzgebiet gegeben. So kam es auch, dass in Lamu ein deutsches kaiserliches Postamt eingerichtet worden war, das bis heute besichtigt werden kann (siehe Fotos unten).

Lamu Town selbst ist UNESCO-Weltkulturerbe und hat vom Stadtbild her viele Gemeinsamkeiten mit Stone Town in Sansibar: ein bunter Architekturmix aus arabischen, indischen, europäischen und afrikanischen Elementen (im Gegensatz zu Stone Town haben die meisten Häuser in Lamu Town spitz zu laufenden Makutidächer, wobei die traditionellen Dächer eigentlich flach und aus Stein waren), enge Gassen und Barazas überall. Letzteres sind die steinernen Sitzbänke, die sich außen an allen Häusern befinden und die ein typisches Merkmal der Swahili-Architektur darstellen. Die Besonderheit in Lamu waren jedoch Barazas, die sich jeweils zur linken und rechten Seite direkt vor einer Hauseingangstür befanden, was ich so in Stone Town nie gesehen hatte.

Neben dem Stadtmuseum besichtigte ich noch Lamu Fort, die wie der Old Fort in Stone Town im omanischen Stil erbaut worden war. Der Guide erzählt mir und Nyambura von einem Kalligraphiewettbewerb (für Arabisch), der jedes Jahr im Rahmen der Maulidi-Feierlichkeiten abgehalten wird. Maulidi? Wer Arabisch kann, streicht das i am Ende weg und erhält Maulid, das Fest zur Geburt des Propheten Mohammad. Ein großes Spektakel in Lamu, das ich leider um wenige Tage verpasste 😦

Auch ansonsten ist Lamu durch viele Festivals und eine große Kreativität geprägt: Es gibt das Lamu Cultural Festival, das Lamu Painters Festival und 2014 zum ersten Mal das Lamu Yoga Festival. In den vielen gallerieartigen Souvenirläden werden Taschen aus alten Segeltüchern und Schmuck, sowie Dekogegenstände und Bilder aus recycleten Flip Flops verkauft, was total cool und farbenfroh aussieht. Hier ein Ansichtsbeispiel: http://www.theffrc.com/products/sculptures

Alles in allem: Lamu ist auf jeden Fall einen Besuch wert und ich hätte gern mehr Zeit gehabt, einfach nur auf der Baraza zu sitzen und dem bunten Treiben auf dem Platz vor dem Lamu Fort zuzusehen.

Im Bann der Gewürzinsel

Da aller guten Dinge drei sind, führte mich mein Jahresendurlaub (mal wieder) auf die Gewürzinsel alias Sansibar. Ich hatte mir fest vorgenommen, Silvester diesmal nicht umgeben von grauem Schneematsch, Minusgraden und lauten Böllern zu verbringen, sondern in die Wärme zu entfliehen. Maki war bereits ein paar Tage vor mir auch nach Sansibar gereist und so trafen wir uns vor Ort wieder. Wir entschlossen uns zusammen mit ein paar Leuten aus der Salsagruppe zur Silvesterparty in den Nordwesten der Insel, zum „Kendwa Rocks“ zu fahren. So weit, so gut. Die Organisation am 31.12. lief dann herrlich sansibarisch ab: Wir verabredeten uns 21 Uhr am Forodhani Park, um nach Kendwa zu fahren (Fahrtzeit etwa 1 Stunde). Da Maki, die mit mir zusammen in der Gastfamilie wohnte, erst spät nach Hause gekommen war, trafen wir am vereinbarten Treffpunkt erst 22 Uhr ein, was aber auch niemanden zu stören schien. Zumal unser Fahrer, einer aus der Salsagruppe, der ein Auto hat, auch noch nicht da war. Tja, wir fuhren schließlich kurz vor 23 Uhr los und ich prophezeite bereits, dass wir NIE pünktlich zum Feuerwerk in Kendwa sein würden. Aber welch Wunder (ich frage mich, wie dann doch immer alles klappt…) – wir trafen genau mit dem Einsetzen des Feuerwerks um Mitternacht ein! Leider habe ich das Video, das ich mit meinem Handy aufgenommen habe, nicht mehr gespeichert, so dass ihr euch die Strandparty mit Feuerwerk selbst ausmalen müsst. Es waren wahnsinnig viele Leute da, natürlich mehrheitlich Wazungu, und es wurde an jeder Ecke getanzt, gekifft und getrunken 😉 Aber allein die Tatsache draußen direkt auf dem Strand am Meer zu feiern, entschädigte für die etwas unberechenbaren Menschenmassen!

Nach Silvester unternahm ich dann einige Ausflüge auf der Insel, zu Orten, die ich bisher noch nicht besichtigt hatte (ja, auch die gibt es!). So schaute ich mir endlich einmal den Jozani Forest an, der letzte klägliche Rest Regenwald, der heute noch auf Sansibar übriggeblieben ist. Früher muss wohl die ganze Insel so ausgesehen haben (siehe Fotos unten), aber für den Gewürzanbau waren die meisten Waldflächen im 19. Jahrhundert gerodet worden. Im Jozani Forest gibt es den so genannten Red Colobus Monkey, eine endemische Affenspezies, die nur noch auf Sansibar zu finden ist. Im Wald kann man nur mit einem Führer herumlaufen, was aber den großen Vorteil hat, dass er einen direkt bis zu den Affen bringt, die wir dann direkt vor der Nase hatten und beobachten konnten. Wir stapften danach einen Rundweg entlang durch den Dschungel und fuhren im Anschluss in den gegenüberliegenden Teil des Waldes, der über und über mit Mangroven bewachsen ist. Das Wasser drumherum speist sich direkt aus dem Meer, so dass man die Gezeitenwechsel gut beobachten kann.

Mit Ayda und Maki unternahm ich zudem einen Ausflug an die Nordostküste nach Mchangani, wo wir eigentllich Schnorcheln gehen wollten, was wir aber aufgrund des starken Windes (es war gerade die Zeit des Kaskazi-Monsuns) leider absagen mussten. Das Hotel, in dem wir untergebracht waren, entpuppte als sich mehr als kurios: Als wir dort abends eintrafen, war kein Personal da, und Mwinyi, der Tourguide, der es uns vermittelt hatte, musste erst einmal in der Küche suchen, bis er einen Ansprechpartner fand. Es hieß, die slowakische Managerin hätte vor Kurzem die Insel verlassen, und so organisiere sich momentan das Küchen- und Putzpersonal selber. Wir erhielten zum Glück trotzdem ein Zimmer und unerwarteterweise ein üppiges Abendbrot und auch am nächsten Morgen ein riesiges Frühstück. Dadurch, dass es sich nicht um ein Hotel im Ressortstil, sondern mehr im „Local Style“ handelte, hatten wir auch keine nervigen Souvenirverkäufer am Hotelstrand, sondern nur einheimische Fischer und Frauen, die jeden Tag den Seetang sammeln, der dann weiterverkauft und weiterverarbeitet wird. Am nächsten Morgen machten wir einen Strandspaziergang vorbei an den ganzen Ressorthotels und sahen die Auswirkungen des Massentourismus in aller Deutlichkeit: Nervige Souvenirverkäufer, oftmals Massai, die vor den großen Ressorthotels auf die Wazungu-Touristen warteten und überall Beachboys im Rastafari-Look. Und ich sah etwas, das ich bisher nur aus dem Film „Paradies Liebe“ (ein erschreckend realer Film über Sextourismus in Kenia) kannte: Am Strand vor dem Hotel war eine Linie im Sand gezogen, über die die Souvenirverkäufer nicht treten durften, da sie sonst wohl in das Privatgelände des Hotel eindringen würden. D. h. vor dieser Linie sammelte sich eine große Menschentraube von wartenden Strandverkäufern und ab und zu näherte sich einer der Touristen, bzw. vorwiegend eine der Touristinnen, der Linie an, um mit den Verkäufern zu sprechen. Ein bizarres Schauspiel! Den Tag beschlossen wir mit einem Besuch im Zanzibar Zoo, der sich größtenteils als erstaunlich tierfreundlich erwies (zumindest gab es viel größere Käfige als in dem Zoo, den ich aus Agadir in Marokko in Erinnerung habe).

Ich war gerade zu einer Zeit auf Sansibar, als die alljährlichen Jubiläumsfeierlichkeiten zur Revolution einsetzen, die jedes Jahr  am 12. Januar begangen werden, wobei man sich fragen muss, was man angesichts des großen Massakers, das damals v. a. an den Arabern begangen worden ist, überhaupt feiern soll… Naja, dieses Jahr waren es die Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum und dementsprechend alle offiziellen Gebäude waren in den Farben der tansanischen Flagge geschmückt und zahreiche Events organisiert worden, die allerdings keinerlei historische Analyse der Revolution vornahmen, sondern schlicht und ergreifend Sansibar in der Jetztzeit zelebrierten. Maki und ich besuchten eine Art Messe, auf der sich alle derzeitigen Regierungs- und öffentlichen Organisationen und Inititiativen auf Sansibar vorstellen. Es gab Stände der Polizei, der Immigrationsbehörde, der Uni SUZA aber auch Kuriositäten wie der Zoo, der mit zahlreichen ausgestellten Tieren vertreten war (darunter eine Riesenhyäne in einem Minikäfig) und eine Veterinärstation, die angeblich live und vor Ort Abtreibungen an Katzen durchführten (wozu macht man so was denn…?). Wir schleppten uns durch die Mittagshitze auf der Suche nach etwas Essbarem, was es aber erst später geben sollte und so mussten wir uns mit trockenen Zimtkringeln („Danish“) zufriedengeben, die wir am Stand des Mbawani-Hotels (dort werden die meisten Hochzeiten Sansibars abgehalten und dort befindet sich auch die einzige richtige Disko der Insel) unter dem Konterfei des derzeitigen Präsidenten Mohammed Shein einnahmen.

Während meiner Zeit auf Sansibar fuhr ich zudem für einen Tag mit der Fähre auf’s Festland, nach Dar-es-Salaam, hinüber, um dort eine kleine Tour zu machen. Als ich nämlich an meinem ersten Tag in Tansania in Dar gelandet war, hatte ich dort eine Nacht bei Janet, der Schwester meiner Kiswahili-Lehrerin in Berlin, übernachtet. Leider war an diesem Tag nur eines meiner zwei aufgegebenen Gepäckstücke nicht mitgekommen und so gab ich an, dass mir das fehlende Gepäckstück an die Adresse meiner Gastfamilie in Sansibar geliefert werden solle, da ich in Dar gar nicht wusste, wo Janet und ihr Mann James eigentlich wohnten. Ihr Haus befindet sich so weit außerhalb des Stadtzentrums, dass es dort keine Straßen im europäischen Sinne gibt und Straßenschilder schon gleich gar nicht. Letztendlich musste ich mir mein fehlendes Gepäckstück jedoch komplett selbst organisieren: Ich musste viermal hinter dem Fundservice hinterhertelefonieren (von wegen: „Ja ja, wir rufen Sie an, wenn wir das Gepäckstück haben und zu Ihnen liefern!“) und musste es schließlich auch selbst vom Flughafen in Sansibar abholen. Naja, ich war am Ende einfach nur heilfroh, es wiederzuhaben, denn ich hatte schon Angst gehabt, dass es eventuell wieder nach Deutschland zurückgeschickt werden könnte. Um an den Anfang der Geschichte zurückzukommen: Janet hatte also an meinem ersten Tag in Dar noch gar keine Zeit gehabt, Geschenke für ihre Schwester in Deutschland zu kaufen, die ich mitnehme sollte, so dass ich ihr entgegenkam und sagte, ich würde noch einmal einen Tag nach Dar kommen, um die Sachen dann in Empfang zu nehmen. So geschah es auch und ich unternahm mit ihrem Mann James noch einen kleine Spritztour in Dar und besuchte u. a. den Makonde-Markt in Mwenge, wo man v. a. Skulpturen, Ledersandalen und Tinga-Tinga-Malereien kaufen kann,  und den Stadtstrand. Als ich am Abend zurück in Sansibar war, hörte ich die schreckliche Nachricht: Am selben Tag waren auf einer Fährüberfahrt von Pemba nach Unguja (wird immer als „Sansibar“ bezeichnet, wobei eigentlich Pemba und Unguja zusammen Sansibar bilden) fünf Leute wegen des heftigen Windes über Bord gegangen und ertrunken und 20 weitere wurden noch vermisst. Hier ein Artikel dazu:

http://sabahionline.com/en_GB/articles/hoa/articles/newsbriefs/2014/01/06/newsbrief-01

Das Unglück passierte am Morgen, aber erst nachmittags wurden Suchtrupps per Flugzeug eingesetzt, um nach den Opfern zu suchen. Wahrscheinlich gab es vorher keinen Sprit, wie ich zynischerweise vermute… Auch meine Fährüberfahrt war an diesem Tag von hohen Wellen begleitet gewesen, aber der Seegang zwischen Pemba und Unguja muss wohl immer um einiges stärker sein als der zwischen Unguja und Dar. Denn bereits 2011 hatte es auf der erstgenannten Strecke ein großes Fährunglück gegeben:

http://www.france24.com/en/20110910-dozens-injured-dead-tanzania-ferry-accident-drowned-capsized-zanzibar/

http://www.dailymail.co.uk/news/article-2035825/Zanzibar-ferry-disaster-Desperate-survivors-cling-mattress-190-drown.html

Ein bitterer Beigeschmack, der bleibt…

Stone Town revisited

Nach weiteren anstrengenden Vorbereitungstagen vor der Wiedereröffnung der Lodge zur neuen Saison habe ich nun endlich wieder etwas mehr Zeit zum Durchatmen. Seit Montag habe ich zudem eine Kollegin, ebenfalls aus Deutschland, an der Rezeption bekommen, so dass wir von nun an in Schichten arbeiten und uns die Verantwortlichkeitsbereiche aufteilen.

Ich habe die so frei gewordene Zeit genutzt, um endlich einmal wieder in Ruhe in Stone Town herumzulaufen und die Architektur und die ganzen Details zu fotografieren, die einem hier auf Schritt und Tritt begegnen. Es werden sicher noch mehr solcher Fotosessions folgen, denn ich könnte mich hier echt „totfotografieren“, zumal ja auch ständig Änderungen im Gang sind. Nahe der „Poststraße“ zum Beispiel werden gleich drei neue Hotels hochgezogen, u. a. ein Kempinski. Ich weiß zwar nicht, warum hier noch mehr Hotels benötigt werden und woher auf Dauer das Trinkwasser dafür herkommen soll, aber naja…

Ab Samstag startet hier auch das ZIFF, das Zanzibar International Film Festival: http://www.ziff.or.tz/Natürlich genau das Richtige für mich! Und vor dem Ramadanbeginn, etwa am 10. Juli 2013, muss ja noch einmal ordentlich Party gemacht werden 🙂

Neues Jahr, neues Outfit und Nachtrag aus den letzten zwei Wochen Sansibar

Ja, wie ihr seht, hat mein Blog zum neuen Jahr ein neues Outfit erhalten! Ich hoffe, es gefällt euch?!

Bevor es für mich wieder nach Sansibar geht (Ja, ganz richtig gelesen! Dazu mehr im nächsten Eintrag.) muss ich noch einen letzten Eintrag vom Dezember 2012 nachholen. In meinen letzten zwei Wochen auf der Insel habe ich nämlich noch einiges erlebt. Zunächst stand ein Ausflug mit den Salsaleuten nach Kizimkazi an, ein kleines Nest im Süden Sansibars, in das sich kaum Touristen verirren, obwohl es bekannt dafür ist, dass man dort Delfine beobachten kann. Wir übernachteten alle in einer Art Ferienhaus und waren den ganzen Abend mit Essensvorbereitungen und Essen und dann bis in die frühen Morgenstunden mit Salsatanzen, Musikhören, Quatschen, etc. beschäftigt. Am nächsten Mittag dann auf zur Delfintour! Ich hatte schon befürchtet, dass es sich um eine dieser Touren handelt, bei der die Delfine von mehreren Booten zusammengedrängt werden und furchtbarem Stress ausgesetzt werden, nur damit ein paar Menschen sie zu Gesicht bekommen können. Aber nein: Wir nahmen nur für uns ein kleines Boot samt lustigem Bootsfahrer und fuhren in sicherem Abstand an den Delfinen vorbei. Nachdem wir die erste halbe Stunde mit strömendem Regen gekämpft hatten, lichtete sich der Himmel und ein paar von uns (ich natürlich auch) sprangen ins Meer um mit den Delfinen zu schwimmen. Nun gut, diese suchten ganz schnell das Weite 😉 Aber es war unglaublich wie klar das Wasser war und erst diese türkisgrüne Farbe! Wahnsinn!

Das zweite Event, das anstand, war eine sogenannte „Kitchen Party“, auf die ich und Maki, eine Japanerin aus dem Salsakurs, von Talhat, auch aus dem Salsakurs, eingeladen worden waren. Es handelt sich um eine reine Frauenparty, die immer einen Tag nach der Hochzeit stattfindet und auf der die Braut, wie es der Name schon verrät, mit reichlich Küchenmaterialen u. a. praktischen Haushaltsgegenständen beschenkt wird. Diese Kitchen Partys sind übrigens ein typischer Bestandteil der Swahilikultur und sind in ganz Ostafrika verbreitet. Dabei spielt weder die Religion der Braut noch die der Gäste eine Rolle. Die Braut war übrigens Talhats Schwester und Talhat hatte mich beauftragt, die ganze Party fotografisch festzuhalten. Gesagt, getan! Das besondere an dieser Kitchen Party war übrigens, dass es sich gleichzeitig um eine „Kanga Party“ handelte. D. h. alle eingeladenen Frauen mussten vorab einen bestimmten Kanga (Tuch mit Sinnsprüchen auf Swahili) kaufen und diesen in egal welcher Form an diesem Abend tragen. Maki und ich ließen uns von Ayda, einer Designerin, die ebenfalls mit uns im Salsakurs war, ein Kleid schneidern. Manche Frauen trugen das Tuch nur als Dekoschal über die Schulter und Talhats Kinder hatten Hosen und Kapuzenshirt aus dem Kangastoff an. Es war echt faszinierend etwa 160 Frauen im gleichen Stoff gekleidet zu sehen! Ich musste ein bisschen an die studentischen Mottopartys denken, auf denen ich in Jena und in Frankreich mehrfach gewesen war.

Im Laufe der Party fing dann die traditionelle Taraab-Band an zu spielen, viele Frauen gingen vor an die Bühne, wiegten sich zum Takt der endlos dahinfließenden Musik und setzten sich nach einem Lied wieder hin nur, um im nächsten Moment für das nächste Lied wieder an die Bühne vorzugehen. Nach einer kurzen Salsavorführung unsereseits kam die Braut begleitet von ihrer besten Freundin herein, setzte sich auf der Bühne auf eine Art Thron und nahm alle Glückwünsche und Geschenke entgegen. Fazit des Abends: Ein sehr interessantes Erlebnis! Wir fassten gegen 1 Uhr nachts schließlich noch den verrückten Plan nach Kendwa in den Norden zu fahren, um dort noch auf eine Party zu gehen…

Ihr könnt all dies und noch ein paar weitere Eindrücke aus Zanzibar Town unten auf den Fotos sehen. Tja, und gerade sitze ich schon (wieder) auf dem Frankfurter Flughafen und vertreibe mir die Wartezeit mit Lesen und Zupfkuchenessen (danke Mutti!). Den dazugehörigen togoischen Kaffee, pardon natürlich den „Coffee to go“, gab es für unschlagbare 1,50 € – und das auf dem Flughafen! Noch unschlagbarer (kann man das steigern?): Als ich dem Cafébetreiber 2 € in die Hand drückte und er keine 50 Cent rausgeben konnte, gab er mir den Kaffee für 1 € mit. Und ich dachte so etwas passiert mir immer nur in Marokko J