B(a)ern – hier steppt der Bär (eher nicht)

Obwohl BERliN und Bern schon recht viele Namensbuchstaben gemeinsam haben, könnten beide Hauptstädte kaum unterschiedlicher sein. Um es kurzzufassen: Bern ist zwar sehr schön und herrlich in eine Flussmäanderlandschaft eingebettet, aber es ist einfach „nüscht“ los dort. Die zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte Berner Altstadt ist aber schon etwas besonderes, was ich so noch nie gesehen hatte. Als ich das erste Mal in der Hauptstraße stand, hatte ich das Gefühl, in einer Filmkulisse zu stehen: Die dunkelbraunen Sandsteinhäuser stehen dicht an dicht und gehen nahtlos in die kopfsteingepflasterte Straße über, so dass der etwas beklemmende Eindruck entsteht, man befinde sich in einem riesigen Kanal. Eine weitere Besonderheit der Berner Altstadt sind die sogenannten Laubengänge (Arkaden) und die vielen kleinen Läden, die sich unter der Erde befinden und über steile Treppen von der Straße aus zu betreten sind. Wenn der Laden geschlossen ist, sieht man nur die riesigen zusammengefalteten Türflügel am Straßenrand. Darin befinden sich teils sehr kuriose Läden, wie ihr unten auf den Fotos sehen könnt. Früher wurde darin Wein gelagert.

Auch in Bern war die Kunst sehr präsent: Wir besuchten mit Makis künftigem Studienkollege und seiner Freundin das Zentrum Paul Klee, das von dem italienischen Architekt Renzo Piano entworfen worden ist, der teilweise auch an der Gestaltung des Potsdamer Platzes in Berlin mitgewirkt hatte. Fragt nicht nach dem Eintrittspreis… Auf dem Rückweg in die Stadt kamen wir am obligatorischen Berner Bärenpark vorbei und gönnten uns einen Kaffee direkt über der Aare.

War der erste Tag noch sonnig und warm gewesen, hatten wir am zweiten Tag in Bern mit nasskaltem Regenwetter zu kämpfen und konnten alle Sehenswürdigkeiten nur unter dem Regenschirm hervorlugend besichtigen: Zytglogge, Parlament (mit Bauernmarkt davor), Einsteins Wohnhaus, Kunsthochschule, sowie diverse Figurenbrunnen, Kirchen und Parks. Am „besten“ bzw. kuriosesten fanden wir ja den „Kindlifresserbrunnen“, der einen Oger zeigt, der gerade ein Kind verschlingt. Nicht nur der Schweizer Käse und die Schweizer Schokolade (Toblerone wird übrigens in Bern produziert) scheinen schmackhaft zu sein! 😉

Den nächsten Tag konnten wir wieder trockenen Fußes von A nach B gelangen und fuhren per Marzilidrahtseilbahn auf den Berner Hausberg. Eine herrliche Aussicht bis in die Alpen!

Nach einem erlebnis- und sightseeingreichen verlängerten Wochenende ging es für mich Dienstagabend schließlich von BERN über Basel zurück nach B(a)ERliN und somit zurück von Schweizer Langsam- ja fast Behäbigkeit zur Hauptstadthektik Berlins.

Grüezi – Sansibarisches Wiedersehen in Zürich

Da die Welt ja bekanntlich ein Dorf ist, verwundert es nicht, dass auch hier, back in Europe, ein sansibarisches Wiedersehen gab. Nachdem ich schon diverse Leute, die ich in Syrien und Marokko kennengelernt hatte, durch Zufall in Berlin aufgegabelt hatte, war es nun an der Zeit, jemanden, den ich aus Sansibar kannte, wiederzusehen. Und so beschloss ich Maki in Zürich zu besuchen, die dort nach 1,5 Jahren Freiwilligenarbeit auf Sansibar auf Master „Landscape Architecture“ studierte. Also, auf in die Schwyz wie es so schön dort heißt. Ich flog ausgerechnet an einem Freitag den 13. von Berlin nach Zürich und, obwohl ich nicht abergläubisch bin, waren um diesen Tag herum einige wirklich tragische Unglücksfälle passiert 😉 Den Tag vorher war mir ausgerechnet vor der Salsastunde der Schnürsenkel gerissen, am Morgen des 13.9. vergaß ich fast meinen Reisepass zu Hause, als mich Maki am Flughafen in Zürich abholte, riss mir der Träger meiner Handtasche und am übernächsten Morgen im Hostel musste ich mich durch einen Container schmutziger Bettwäsche wühlen, da ich aus Versehen meine Jacke samt Bettwäsche beim Auschecken in den Wäschecontainer geschmissen hatte. Typisch! :-S

In Zürich hatten wir leider nur einen Tag Zeit, so dass Maki und ich ein Sightseeing-Programm im Schweinsgalopp absolvierten: Unihauptgebäude (sieht innen aus wie ein italienischer Renaissancebau), Altstadt, Großmünster, Chinagarten, Centre le Corbusier, etc. Vielleicht war der kurze Aufenthalt auch ganz gut, gilt doch Zürich seit 2012 nach Tokio und Genf als teuerste Stadt der Welt. Diesen Eindruck konnten wir durchaus bestätigen – Supermarkt „Migros“ wurde schnell unser bester Freund.

In Zürich stapeln sich Kunstgallerien und kleine Kunstläden, überhaupt scheint Kunst überall in den Alltag integriert zu sein: Kunstinstallationen in einer Kirche, von Marc Chagall entworfene Kirchenfenster in der Frauenmünsterkirche, farblich genau abgestimmte Fensterläden und Schaufenster, das Le-Corbusier-Museum, das aussieht wie ein auseinandergefalteter Zauberwürfel, eine riesige unter der Decke hängende Niki-de-Saint-Phalle-Figur im Hauptbahnhof – und: Zürich besitzt einen Lichtmasterplan, den „Plan Lumière“, mit dem die nächtliche Beleuchtung der Stadtsilhouette genauestens geplant ist. Es sieht wirklich klasse aus, wenn man nach Einbruch der Dunkelheit noch am Ufer der Limmat entlangspaziert. Tagsüber kann man übrigens mit einem normalen Ticket des öffentlichen Nahverkehrs ein paar Stationen mit einem Fährboot auf der Limmat umherschippern, was wir uns natürlich nicht haben nehmen lassen!