Trujillo-Kitsch in San Cristóbal

Den Tag nach meiner odysseehaften Anreise nutzte ich, um mir ein paar Sehenswürdigkeiten San Cristobals anzuschauen, die mit dem Diktator Trujillo in Verbindung stehen, denn San Cristóbal war seine Heimatstadt gewesen. In der gelben, an Zuckerbäckerstil erinnernden Kirche Parroquía de Nuestra Señora de Consolación, die ich allerdings leider nicht von innen besichtigen konnte, befindet sich das Mausoleum Trujillos. Sein Grab befindet sich interessanterweise auf dem Père-Lachaise-Friedhof in Paris. Nach dem Rundgang einmal um die Kirche herum lief ich weiter Richtung Norden und musste am Ende einen steilen Hügel meistern, um zum „Castillo de Cerro“ (Schloss auf dem Hügel) zu gelangen, ein Schloss, das Trujillos Anhänger ihm geschenkt hatten, das er jedoch selbst nie bewohnt hatte; wohl aber seine Kinder. Es handelt sich um ein modernistisches, mehrstöckiges Haus, in dem sich heute eine Schule für Gefängnispersonal befindet. Dementsprechend musste ich den Dresscode einhalten, bedeckte Beine und hochgeschlossenes Oberteil. Mich führte ein junger Typ des Aufsichtspersonals herum, der leider überhaupt keine Ahnung hatte, da er auf meine etwas detaillierteren Nachfragen zur Geschichte der Trujillo-Diktatur nur Phrasen wiederholte, die er offensichtlich auswendig gelernt hatte. Man konnte verschiedene Räume besichtigen, die einmal Schlafgemächer und Esssäle gewesen sein mussten und mit scheußlich-kitschigem Stuck und Malereien verziert waren. In der obersten Etage befand sich ein kleines Museum mit Folterinstrumenten und Möbeln Trujillos und einigen Erklärtafeln. Leider boten auch diese keine tiefgründigen Erklärungen. Immerhin hatte ich dann von der Dachterrasse aus einen schönen Blick auf San Cristóbal und seine grüne Umgebung bis hin zu den Hochhäusern von Santo Domingo. Dorthin machte ich mich nachmittags auf, um am nächsten Morgen Olga und Yasmin einzusammeln, die mich für gut zwei Wochen besuchen sollten.

Einer meiner Lieblingsorte: Die Dünen von Baní

Bevor ich meine zwei Freundinnen Olga und Yasmin, die mich über Silvester besuchen sollten, am 28.12. in Santo Domingo einsammelte, war ich noch westlich der Hauptstadt unterwegs. Mit einem kurzen Zwischenstop in San Cristóbal fuhr ich weiter zu meiner AirBnB-Unterkunft nahe des Playa Najayo, die sich jedoch leider als absoluter Reinfall entpuppte: Das Haus dreckig, das Zimmer, in dem ich übernachten sollte, nicht vorbereitet, kein Strom, kein Wasser, kein Gas für den Herd – NADA (nichts)! Es war leider schon recht spät um noch woanders eine Unterkunft zu suchen und so half mir die Nachbarin mein Zimmer zumindest für eine Nacht herzurichten, da der AirBnB-Vermieter gar nicht da war. Mit ihr und einer Freundin war ich dann auch noch am nahegelegenen, hauptsächlich von Dominikanern genutzten Strand Playa Najayo, der in keinster Weise entspannend, dafür aber trubelig und gut zum Leutebeobachten war.

Nach einer langen, sehr dunklen (der Strom war ab 20 Uhr komplett weg) Nacht im AirBnB-Landhaus machte ich mich am nächsten Morgen sehr zeitig auf den Rückweg nach San Cristóbal, suchte mir dort ein günstiges Hotel, wo ich mein Gepäck abstellte, und machte mich auf den Weg nach Westen über Baní hin zu den so genannten Dünen von Baní beim Örtchen Las Salinas. Direkt am Meer und in einer sagenhaft schönen Bucht mit den Zentralkordilleren im Hintergrund liegen die Dünen. Ich glaubte mich in Marokko in der Wüste und war begeistert vom Kontrast zwischen hellem Sand, tiefblauem Himmel, Wolken und dem Meer in der Bucht. Zum Glück waren kaum andere Besucher vor Ort, so dass ich die Dünen fast für mich allein hatte. Nach den Dünen wanderte ich an der Straße entlang weiter Richtung Westen bis zum Hotel Salinas, zu dem ich gelesen hatte, dass man dort sehr gut Fisch essen könne. Dem war in der Tat so! Ich saß direkt an der Bucht, hatte ein paar schicke Yachten und die Berge vor der Nase und ein leckeres Tintenfischgericht auf dem Teller.

Der Rückweg nach San Cristóbal gestaltete sich unerwarteterweise ein bisschen abenteuerlich: Vom Hotel aus nahm ich ein Guagua nach Baní, wo ich im Sauseschritt noch das Stadtzentrum mit Parque Central und einigen interessanten Wandmalereien besichtigte. Soweit so gut. In Baní stieg ich in ein weiteres Guagua Richtung Santo Domingo um, das in San Cristóbal vorbeifahren würde. Auf dem Weg stiegen extrem viele Leute zu, die dichtgedrängt im Gang standen, und irgendwann kam es mir schon komisch vor, dass an einer Stelle auf einmal sehr viele Leute ausgestiegen waren und die Fahrt generell irgendwie ganz schön lange dauerte. Als ich dem Cobrador (Kassierer) sagte, dass ich am Parque Central aussteigen wollte, fragte er mich, ob das der Parque Enriquillo sei (der befindet sich in Santo Domingo). Als ich ihm sagte, dass ich den Parque Central von SAN CRISTÓBAL meinte, schaute er mich mit großen Augen an und sagte „Ah no, mi amor. Wir sind doch schon in der Hauptstadt.“ Jetzt war mir auch klar, warum an der einen Stelle so viele Leute ausgestiegen waren: Das war der Ausstieg für San Cristóbal gewesen, nur eben nicht mitten in der Stadt, wie ich gedacht hatte, sondern an der Autobahn.

Draußen war einfach nur ein riesen Verkehrsdrehkreuz mit zig Guagua-Stationen zu sehen, das sich wohl offensichtlich vor den Toren der Hauptstadt befand. Ich düste also aus dem Guagua raus und fragte mich zur Haltestelle für die Guaguas zurück nach San Cristóbal durch, da ich dort ja noch mein Gepäck deponiert hatte. Da es schon langsam dunkel wurde, war ich etwas unruhig und hoffte noch ein Guagua zu bekommen. Aber ja, kein Problem, ich fragte den neuen Cobrador ob er nach „San Cristóbal“ fahre, er nickte und ich stieg ein. Wir fuhren los und irgendwann kam der Cobrador zum Kassieren rum: „250“ (etwa 5€). Ich: „Was, so viel bis San Cristóbal?“. Er: „Nein, wir fahren nicht nach San Cristóbal, wir fahren nach San Juan de la Maguana“. Ich: „WAS????“. Oh man, ich hätte heulen können, da hatte der Typ, als ich ihn gefragt hatte, einfach nur das „San“ im Ortsnamen verstanden und den Rest gar nicht gehört. Er: „Mach dir keine Sorgen – ich regel das! Du kommst schon nach San Cristóbal.“. Zu meinem Glück machte das Guagua ohnehin eine Pause an einem Rasthof, wo der Cobrador wiederum ein anderes Guagua fand, das dort gerade auf dem Weg Richtung Santo Domingo Pause machte, und mich bis zu dem Verkehrsknotenpunkt nördlich von San Cristóbal mitnehmen könnte. Er redete mit dem Fahrer dieses Guaguas, das er mir ein Motoconcho-Taxi an die Tankstelle des Verkehrsknotenpunktes rufen solle, wenn er mich dort rausschmeißen würde. Gut, so saß ich nun im dritten Guagua, um nach San Cristóbal zu kommen. Der Fahrer schien zu telefonieren und mir ein Motoconcho zu organisieren. Als wir jedoch am Verkehrsknotenpunkt ankamen, wo er mich rausschmiss, sagte er wie beiläufig nur, dass er leider vergessen hätte, mir ein Motoconcho zu rufen und dass ich selbst sehen müsste, wie ich von dem Verkehrsknotenpunkt weg käme. Ich stolperte am Autobahnrand nach draußen und ehe ich mich über die Unzuverlässigkeit des Fahrers aufregen konnte, hatte ich ein paar Leute angesprochen, die gerade dabei waren mit dem Motorrad wegzufahren, und einer erklärte sich sofort bereit mich in die Stadt zu fahren. Was für ein Glück! Ich hatte mittlerweile echt Sorge, dass ich in dem Hotel vielleicht niemanden mehr antreffen würde oder dass sie irgendetwas mit meinem Gepäck gemacht haben könnten. Aber die Sorge war unbegründet: Als mich der Typ mit dem Motorrad bis ans Hotel gefahren und ich ihm erleichtert 100 Pesos in die Hand gedrückt hatte, sah ich, dass die Rezeption noch besetzt war und mein Rucksack wie eh und je da stand. Fix und fertig mit den Nerven freute ich mich über das einfache, aber super saubere Hotelzimmer und fiel nach einer erfrischenden Dusche wie ein Stein ins Bett. Was für eine Odyssee!!!