4. Station: Lushoto in den Usambarabergen

Von Moshi aus nahm ich den Bus in die Usambara-Berge nach Lushoto. Ich hatte vorher ehrlichgesagt nur von den Usambaraveilchen gehört, wusste aber nicht, dass es dazu auch das „passende“ Gebirge gibt. Die Usambaraveilchen sind wie die meisten anderen Pflanzen- und Tierarten endemisch in den Usambarabergen, d. h. sie kommen nur hier vor. Als ich die Strecke mit dem Bus fuhr, konnte ich die herrliche grüne Landschaft über 6 Stunden lang ausführlich begutachten. Der schrecklich klapprige und laute Bus nämlich zuckelte auf unbefestigten Straßen dahin, weil die geteerte Straße gerade noch im Bau war. Am Abzweig Mombo, von dem es auf in die Berge nach Lushoto geht, versagte dann der Motor. Die Fahrer und Busbegleiter werkelten unter dem Bus herum bis er nach etwa einer Stunde wieder ansprang und wir weiterfuhren. Ich betete die serpentinenartige Strecke bis Lushoto nur, dass der Motor anblieb und wir nicht mit einem der rasant entgegenkommenden Busse zusammenstießen…

Lushoto entpuppte sich als kleines Bergdorf mit ausschließlich schlammigen, unbefestigten Straßen, denn es hatte in den letzten Tagen heftig geregnet. Nicht einmal zu den Aussichtspunkten auf einem kleinen Berg konnte ich hinaufsteigen, weil der Weg einfach so rutschig war. Lushoto hieß unter der deutschen Kolonialzeit „Wilhelmstal“ und man konnte durchaus noch deutsche Überbleibsel entdecken: einen Friedhof mit deutschen Gräbern, Häuser aus roten Backsteinen und ein Fachwerkhaus, das ebenso gut hätte in Thüringen stehen können, hier aber von Palmen umgeben war. Außer einem nachmittäglichen Rundgang war hier nichts zu unternehmen und so reiste ich am Dienstagmorgen nach Tanga weiter. Aber ich habe mir fest vorgenommen noch einmal für ein paar Wandertouren zurückzukommen, denn die Berge sind einfach herrlich!

Die Spezies Mzungu

Diesmal gibt es unten wieder ein paar neue Eindrücke aus Zanzibar Town, wobei ich die Innenstadt mittlerweile so ziemlich an allen Ecken abgeklappert habe. Schade, dass ich mit meiner Kamera nachts so schlecht Aufnahmen machen kann, denn die Atmosphäre, wenn man durch die engen Altstadtgassen läuft, ist ganz besonders und ich würde sie gerne mal irgendwie „einfangen“… Naja, bleibt mir nur, jeden Abend aufs Neue auf dem Weg zum Salsakurs hindurchzulaufen.

Vormittags ist es in letzter Zeit allerdings oft alles andere als angenehm durch die engen Gassen zu laufen, nämlich genau dann, wenn mal wieder ein Regenschauer über der Stadt hereinbricht und man das Gefühl hat durch einen Fluss zu laufen. Ich habe mittlerweile meine marokkanischen Ledersandalen auch gegen Gummi-Flip-Flops ausgetauscht, um gegen die tiefen Pfützen gewappnet zu sein. Zum Glück trocknet man ja schnell wieder, aber ich denke, ein Regenschirm wäre trotzdem einmal keine schlechte Investition …

Heute muss ich mich auch endlich einmal einem Thema widmen, das mir hier seit der Ankunft begegnet ist, und über das ich auch schon mit einigen Einheimischen diskutiert habe: Es gibt nämlich hier eine ganz besondere Spezies, „Mzungu“ genannt, zu der ich übrigens auch gehöre. Mzungu heißt auf Swahili so viel wie „Weißer“ oder „Europäer“ und so werden von den Einheimischen eben diese Leute genannt. Ich werde manchmal sogar einfach mit „Mzungu“ angesprochen bzw. haben mir es schon ein paar Bauarbeiter lauthals hinterhergerufen. Und einmal nach dem Salsakurs hat mir mein Tanzlehrer geholfen einen Taxifahrer zu finden und hat diesem dann soviel gesagt wie „Einmal Mzungu fahren, bitte!“. Ist schon komisch, auf diese Eigenschaft reduziert zu werden. Im touristischen Zentrum von Zanzibar Town werden auch grundsätzlich alle herumlaufenden „Wazungu“ (die Mehrzahl von Mzungu) angesprochen, ob sie nicht ein Taxi/Souvenir-T-Shirt/Gewürzpaket haben wollen, denn, so vermutlich die gängige Assoziationskette Mzungu = Tourist = reich. Als ich mich mit zwei Einheimischen darüber unterhielt und meinte, dass diese Fixierung auf das Weißsein schon eine Art Rassismus darstellt, waren sie vollkommen meiner Ansicht. Denn mal ehrlich: Würde ich einem Schwarzen in Deutschland auf der Straße hinterherrufen „He, du Schwarzer!“ (und würde es auch noch so nett und erfreut klingen), würde man doch von Rassismus sprechen, weil ich die Person nur auf ihre Hautfarbe reduziere, oder? Außerdem meinten sie, dass es unfair sei, Wazungu höhere Preise zahlen zu lassen als Einheimische. Hier in den Museen ist dies tatsächlich so (und so war es auch schon in Marokko), aber auf dem Markt und in den kleinen Tante-Emma-Läden habe ich eigentlich immer den Eindruck, dass die Leute mir die echten Preise nennen. Und sie geben auch immer akribisch genau Wechselgeld heraus, was ja in Marokko sehr oft leider nicht der Fall war und v. a. oft Taxifahrer versuchten, einem immer noch einen kleinen zusätzlichen Betrag abzuzwacken.

Generell finde ich ja, wie gesagt, dass die Leute hier auf Sansbar relativ unaufgeregt mit Ausländern umgehen und einen eigentlich in Ruhe lassen. Ich habe nur gehört, dass man, wenn man z. B. am Busbahnhof in Moshi in Tansania-Festland als Mzungu auftaucht, erst einmal komplett jegliche Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und auch da, wo ich 20 min. außerhalb vom Stadtzentrum wohne, werde ich öfter angestarrt. Aber letztendlich bin ich das ja noch von Marokko gewöhnt und es ist auch ein anderes anstarren und ansprechen als in Marokko: Nämlich freundlich und respektvoll (immer die üblichen Begrüßungsfloskeln gefolgt von „Karibu“ = Willkommen) und keine dämlichen Anmachesprüche wie in Marokko. Soviel also zur Spezies Mzungu!