Wasserreiches Wochenende in und rund um Constanza

Noch einmal „richtig“ Constanza besuchen – das hatte ich mir für meine noch verbleibende Zeit in der DomRep vorgenommen. Bisher hatte ich die höchstgelegene Stadt der Insel ja nur zweimal im Schnelldurchlauf besucht, das erste Mal zum Día de las Mercedes im September 2015 und ein zweites Mal für eine Familienfeier im November 2015. Nun also ein ganzes Wochenende in Constanza: Da Manuel samt seinem Motorrad auch wieder mit am Start war, konnte ich den unbequemen Transport im Pick-Up umgehen und mit ihm auf dem Motorrad die Berge rauf und runter von Jarabacoa bis ins Tal von Constanza kurven. Der Blick in die Berge ist dabei immer wieder beeindruckend und gigantisch!

Nach dem „Check-In“ in unserer AirBnB-Unterkunft nahe des kleinen Flughafens, die übrigens in der ehemaligen US-amerikanischen Siedlung „Colonia Kennedy“ lag, fuhren wir südlich aus Constanza hinaus Richtung Wasserfall „Aguas Blancas“ (Weiße Gewässer). Da der Weg zunehmends uneben wurde, ließen wir irgendwann das Motorrad stehen und setzten unseren Weg zu Fuß fort. Den Wasserfall konnten wir schon von Weitem sehen, stach doch das Weiß seines Wassers aus der grünen Landschaft geradezu hervor. Wir näherten uns zunächst auf einer mitleren Ebene dem Wasserfall, der in mehrern Kaskaden in die Tiefe rauscht und angeblich der höchstgelegene Wasserfall der Antillen sein soll (um mal wieder einen Superlativ zu bemühen), und hielten erst einmal ein Picknick ab. Die ganze Umgebung des Wasserfalls war für dominikanische Verhältnisse richtig gut mit touristischer Infrastruktur ausgestattet: an verschiedenen Höhen des Wasserfalls Sitzmöglichkeiten und kleine Aussichtsplattformen aus Holz, ein Pavillon am Fuße des Wasserfalls, Toiletten, Kassenhäuschen (zum Glück war niemand da!). Während ich im einsetzenden Regen im Pavillon ausharrte, sprang Manuel in den kleinen See am Fuße des Wasserfalls wobei er meinte, dass es sich angefühlt hatte, wie als hätte er in der Arktis gebadet so kalt war das Wasser. Brrrrrrr! Im Winter gefriert der Wasserfall wohl auch regelmäßig und heißt wegen der weißen Farbe des Eises eben „Aguas Blancas“.

Den Abend verbrachten wir in einem als Pizzeria bezeichneten Restaurant, das aber (natürlich gerade an diesem Abend) keine Pizza hatte, weil der Ofen kaputt war. Die karge, an ein Bahnhofsbistro erinnernde Inneneinrichtung erinnerte mich an die einfachen Restaurants, in denen Yasmin und ich manchmal auf unserer Portugalreise im November/Dezember 2014 gegessen hatten. Der Flachbildfernseher zeigte komische Videos von Welpen oder Jetski-fahrenden Erdhörnchen, an der langen Tafel neben uns feierte eine riesen Freundesrunde was auch immer und gab von Zeit zu Zeit merkwürdige „Miau“-Laute von sich und dazu dann der super höfliche und förmliche, sehr schick gekleidete Kellner. Echt skurril! Danach fanden wir wie durch Zauberhand „La Esquina“ (Die Ecke), die Kneipe Constanzas, die uns alle wegen der großen internationalen Bierauswahl empfohlen hatten und die sogar ihr eigenes Schwarzbier herstellt, „Ferringer“, das von der Familie Ferrer gebraut wird. Es schmeckte richtig gut und kam schon fast an deutsche Schwarzbiere heran. Zudem wurde hier Rockmusik gespielt, eine Wohltat für unsere Bachata- und Merengue-geschädigten Ohren!

Am nächsten Tag waren wir noch ein bisschen in der Stadt (es war mal wieder haitianischer Markt (Pulga)) und in der Umgebung unterwegs, bevor wir uns auf den Rückweg über die Panoramastraße bis zur Autopista machten, die Autobahn, die Santo Domingo und Santiago miteinander verbindet. Ein echter Geheimtipp wie sich herausstellte! Die Panoramastraße schlängelt sich durch die grünen Berge des Schutzgebiets Ebano Verde und gab immer wieder den Blick auf die Zentralkordilleren und auf der anderen Seite auf das Cibao-Tal und die Presa de Rincon (Rincon-Stausee) bei Bonao frei. Wahnsinn, wie weit man schauen konnte! Als wir dann auf der Autopista angekommen und Kurs auf La Vega genommen hatten, brauten sich schon die dunklen Wolken über uns zusammen. Kurze Zeit später fuhren wir durch strömenden Regen nach La Vega ein und konnten sehen, dass zahlreiche Straßen wegen des fehlenden oder überforderten Abwassersystems schon komplett unter Wasser standen. Manuel brachte mich zum Glück noch bis zur Guagua-Station für Jarabacoa, so dass ich zumindest erst einmal im Trockenden sitzen konnte. Als sich das Guagua die Straße nach Jarabacoa hochquälte, konnten wir nur sehen, wie ein Reisebus in einer Kurve nur kurz vor dem Abgrund zum Stehen gekommen war und alle Passagiere verängstigt unter einem naheliegenden Mariendenkmal Unterschlupf gesucht hatten. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Bremsen des Busses komplett versagt hätten…

Black Friday und Merengue auf der Straße – Familientreffen in Constanza

Letzter Sonntag im November 2015: Familientreffen meiner Gastfamilie in Constanza. Klar, dass das ganz anders sein würde als ein Familientreffen in Deutschland. Für den Weg von Jarabacoa nach Constanza hatten wir, also Lourdes, ihre Schwester, Lourdes‘ Tochter Eliana und Lourdes Vater, etwa 20 weitere Familienmitglieder und ich, bereits einen Kleinbus gemietet. Mit „nur“ etwa 60 Personen vor Ort in Constanza war, meiner Gastmutter Lourdes zufolge, auch nur ein kleiner Teil der ganzen Familie anwesend. Für mich ein beeindruckendes Familienspektakel, wobei sich einige Familienmitglieder vorher noch nie getroffen hatten und sich erst einmal gegenseitig vorstellen mussten.

Den ersten Teil des Treffens verbrachten die meisten (weiblichen) Familienmitglieder im Zentrum Constanzas, um im Rahmen des aus den USA herübergeschwappten „Black Friday“ erst einmal ordentlich und günstig shoppen zu gehen. Das Gewusel in den Geschäften kann man sich vorstellen. Zusätzlich war an diesem Sonntag auch der einmal im Monat stattfindende Flohmarkt („Pulga“) im Gange, wobei dieser nicht ganz mit einem Flohmarkt in Deutschland verglichen werden kann: Die Verkaufs“stände“ (meist liegen die Sachen einfach nur auf Planen auf dem Boden) werden mehrheitlich von Haitianern betrieben, die bergeweise gebrauchte (Marken-)Kleidung, Schuhe, günstige Kosmetikartikel und günstigen Elektronikkrams verkaufen.

Zurück beim Familientreffen war bereits die Musik angeschmissen worden, so dass Merengue und Bachata bereits die ganze Straße beschallten und man sich nur noch schreiend unterhalten konnte. Aber wozu auch unterhalten? Tanzen und Rumtrinken waren angesagt! Nach ein paar Stunden in dieser Geräuschkulisse traten wir den Rückweg wieder im Kleinbus an – doch auch im Bus herrschte keine Ruhe, da alle munter (weiter-)schnatterten. Für mich war es zwar am Ende ein echt anstrengendes, aber dafür ein sehr lebhaftes und lustiges Familientreffen. Ich bin gespannt, wann und wo das nächste stattfinden wird!