Rustikales Weihnachten auf dem Campo bei Jarabacoa

Weihnachten sollte dieses Jahr für mich ganz anders als in Deutschland werden, logisch, eben ein dominikanisches Weihnachten! Am 24. Dezember kam ich im Laufe des Vormittags aus Monte Cristi zurück während meine Gastmutter Lourdes noch bis Mittag arbeiten musste. Nachmittags machten wir uns dann im Auto ihres Freundes auf auf’s „Campo“ (auf’s Land), einem Ort namens Hatillo, wo ihre Eltern wohnen und wo sie aufgewachsen war. Bevor es jedoch in die Berge ging, machten wir noch eine kleine Runde in Jarabacoa: Bei einer Frau holten wir Kuchen ab und bei einem Mann Spanferkel in Plastiktüte. Traditionell wird zu Weihnachten ein Schwein auf den Grill gehauen, da dies aber ziemlich aufwendig ist, holten wir das bereits fertig zubereitete Fleisch ab. Und dieses wird, wie so ziemlich alles hier in der DomRep, natürlich in einer Plastiktüte transportiert. (Okay, bei einer Tagung von Arbeit aus haben sie das Schweinefleisch mal in einem Pappkarton angeliefert, das dann im Auto zum Tagungsort gefahren wurde. Ihr könnt euch vorstellen, dass der Karton bei der Ankunft natürlich völlig „durchgesuppt“ war und beim Anheben auseinanderfiel. Resultat: die Hälfte des Fleischs auf der Wiese, das meine Kollegen dann ganz pragmatisch mit einem Löffel auf die Aluschale schaufelten, in der das Fleisch auf das Buffet gestellt wurde. Das deutsche Gesundheitsamt sollte hier besser nicht vorbeischauen! ;-))

Aber genug der Parenthese: Nach der kleinen Einkaufstour fuhren wir in die beeindruckende grüne Berglandschaft nordwestlich von Jarabacoa und kamen nach zahlreichen Aufs und Abs am Haus von Lourdes‘ Eltern an. Es handelt sich um ein einfaches Holzhaus, wie ich es zuhauf schon in Restauración und Río Limpio gesehen hatte. Das Dach ist in diesen Häusern nicht mit den Wänden verbunden und folglich kann man alles, was vor und im Haus passiert, auch hören. In das Haus integriert ist ein kleiner Colmado, also ein Tante-Emma-Laden, den Lourdes‘ Vater neben der Landwirtschaft noch betreibt und zu dem ein überdachter Bereich mit Tischen, Stühlen und Tanzfläche gehört. Bevor es aber mit Musik, Tanz und Alkohol los ging, gab es erst einmal ein rustikales, aber sehr leckeres Weihnachtsessen: der obligatorische Reis mit Bohnen, Kartoffelsalat, Krautsalat, Schweinefleisch, Nudelsalat und Kochbananen – alles bunt auf einem Teller zusammengewürfelt und ohne großen Pathos aufgetischt und gegessen. Als besonderen Nachtisch gab es später noch Äpfel, Weintrauben, Rosinen und bunte, quietschsüße Geleefrüchte. Geschenke gibt es zu Weihnachten nicht (wenn dann bekommen Kinder am 6. Januar etwas geschenkt) und auch sonst gab es keinerlei Rituale oder besondere Bräuche. Irgendwann stellte Lourdes‘ Vater die Musikanlage an, Bachata und vor allem Merengue dröhnten durch die Weihnachtsnacht und die ersten Nachbarn kamen mit dem Motorrad, bestellten sich Bier und Rum und fingen an zu tanzen. Ich bewunderte die Ausdauer, mit der die Leute bei jedem neuen Lied aufsprangen und zu tanzen anfingen, obwohl immer wieder dieselben Lieder liefen . Was mich schon bei einem früheren Tanzbarbesuch, nun ja, ich will nicht sagen, schockiert, aber doch sehr überrascht hat, ist zudem die Gleichgültigkeit, mit der die Leute hier tanzen. In der Regel schauen sie sich beim Tanzen nicht an, sondern schauen gelangweilt aneinander vorbei und arbeiten scheinbar mechanisch die Tanzbewegungen ab. Absolute Routine! Und ich fand es in Berlin im Salsaclub immer total furchtbar, wenn mich der Tanzpartner nicht einmal anschaut, weil ich mir dann frage, warum wir überhaupt zusammen tanzen. Bei der Weihnachtsfeier jedenfalls war ich natürlich weit und breit die einzige Ausländerin und witziger- und ungewöhnlicherweise traute sich kaum einer der Männer mich, die „Americana“, zum Tanzen aufzufordern. Vielleicht weil sie dachten, ich könne es sowieso nicht? Wagte sich dann doch mal einer, so war er jedenfalls immer ganz überrascht, dass ich ja doch tanzen könne…

Die Musik dröhnte sicher noch bis irgendwann um 2 oder 3 Uhr morgens, jedenfalls konnte ich in der Nacht nicht wirklich viel schlafen, zumal auch noch heftiger Regen einsetzte. Am nächsten Morgen schob ich etwas Panik, da ich wusste, dass ich mit einem Motoconcho den schlammigen, steilen und ständig auf- und abgehenden Weg zurück nach Jarabacoa fahren musste und nur zu gut noch die Erinnerung von Río Limpio im Hinterkopf hatte. Aber letztendlich ging alles gut: Der Fahrer fuhr sehr vorsichtig und war an das Fahren auf dem Campo gewöhnt. Puh! Ich kam unbeschadet in Jarabacoa an, wo ich nachmittags meine Reise Richtung Santo Domingo fortsetzte.

Black Friday und Merengue auf der Straße – Familientreffen in Constanza

Letzter Sonntag im November 2015: Familientreffen meiner Gastfamilie in Constanza. Klar, dass das ganz anders sein würde als ein Familientreffen in Deutschland. Für den Weg von Jarabacoa nach Constanza hatten wir, also Lourdes, ihre Schwester, Lourdes‘ Tochter Eliana und Lourdes Vater, etwa 20 weitere Familienmitglieder und ich, bereits einen Kleinbus gemietet. Mit „nur“ etwa 60 Personen vor Ort in Constanza war, meiner Gastmutter Lourdes zufolge, auch nur ein kleiner Teil der ganzen Familie anwesend. Für mich ein beeindruckendes Familienspektakel, wobei sich einige Familienmitglieder vorher noch nie getroffen hatten und sich erst einmal gegenseitig vorstellen mussten.

Den ersten Teil des Treffens verbrachten die meisten (weiblichen) Familienmitglieder im Zentrum Constanzas, um im Rahmen des aus den USA herübergeschwappten „Black Friday“ erst einmal ordentlich und günstig shoppen zu gehen. Das Gewusel in den Geschäften kann man sich vorstellen. Zusätzlich war an diesem Sonntag auch der einmal im Monat stattfindende Flohmarkt („Pulga“) im Gange, wobei dieser nicht ganz mit einem Flohmarkt in Deutschland verglichen werden kann: Die Verkaufs“stände“ (meist liegen die Sachen einfach nur auf Planen auf dem Boden) werden mehrheitlich von Haitianern betrieben, die bergeweise gebrauchte (Marken-)Kleidung, Schuhe, günstige Kosmetikartikel und günstigen Elektronikkrams verkaufen.

Zurück beim Familientreffen war bereits die Musik angeschmissen worden, so dass Merengue und Bachata bereits die ganze Straße beschallten und man sich nur noch schreiend unterhalten konnte. Aber wozu auch unterhalten? Tanzen und Rumtrinken waren angesagt! Nach ein paar Stunden in dieser Geräuschkulisse traten wir den Rückweg wieder im Kleinbus an – doch auch im Bus herrschte keine Ruhe, da alle munter (weiter-)schnatterten. Für mich war es zwar am Ende ein echt anstrengendes, aber dafür ein sehr lebhaftes und lustiges Familientreffen. Ich bin gespannt, wann und wo das nächste stattfinden wird!

 

 

Freiwilligendienst statt Pauschalurlaub – mein Artikel auf der Berliner Bürgerplattform „Integritude“

Unter diesem Link findet ihr einen Artikel zu meinen Eindrücken aus den ersten Wochen Leben und Arbeiten in der DomRep: http://integritude.org/chronik/article/43/Freiwilligendienst-statt-Pauschalurlaub—Ein-Jahr-in-der-Dominikanischen-Republik

Die Berliner Bürgerplattform Integritude, auf der der Artikel veröffentlicht worden ist, ist in den Bereichen Integration, politische Bildung und Entwicklungszusammenarbeit tätig, gibt eine Zeitschrift, den „Kiezboten“ heraus und organisiert Workshops. Danke an Narcisse für die Vermittlung! 🙂

Aller guten Dinge sind 3 – 3 Geburtstagsrunden in Jarabacoa und Tenares

Im Oktober standen drei Geburtstagsfeiern an: Erst Sarahs Feier, dann meine Feier in Jarabacoa und schliesslich unsere gemeinsame Feier im Rahmen des Oktoberfestes in Tenares, das von den deutschen Freiwilligen vor Ort organisiert worden war. Kulinarisch waren die Feiern in jederlei Hinsicht interessant: Für Sarah hatten unsere Kollegen von Plan Yaque eine supersüsse, klebrige Sahnetorte gekauft, für mich einen schlichten Möhrenkuchen und auf dem Oktoberfest gab es Sauerkraut, Bratwurst und deutsches Bier (was sonst?). Und schliesslich probierten wir bei meiner kleinen Geburtstagsrunde in Jarabacoa noch Mofongo aus, eine Spezialität aus Moca, die aus Kochbananen, knusprig gebratenem Schweinespeck und geriebenem Käse besteht, deren Zutaten jedoch auch variieren können. Sehr lecker, liegt aber auch sehr schwer im Magen…

Diese Musik wurde noch am Anfang gespielt:

… bis von irgendwoher ein dominikanischer DJ ankam und dann diese (natürlich ohrenbetäubend laute) Musik gespielt wurde:

Und dann waren wir noch V.I.P.-Gäste auf dem Filmfestival Festival de Cine Global in Santiago!:

 

 

Beobachtungen aus dem dominikanischen Alltag I

The pain is temporary, the victory forever

Der Schmerz ist nur vorübergehend da, der Sieg für immer – das steht über der Tür zu den Umkleidekabinen in meinem Fitnessstudio, wo ich mangels Freizeitalternativen zwei bis drei Mal pro Woche hingehe. Für 1000 Pesos pro Monat (etwa 20 Euro) kann ich in diesem sehr gut ausgestatteten Fitnessstudio theoretisch Montag bis Samstag Maschinen und Sportkurse nutzen.

Doch zurück zum Anfang: Dass der Schmerz, also Muskelkater, nur zeitweise da ist, stimmt. Aber der „Sieg“ (über den inneren Schweinehund) für immer – das wage ich zu bezweifeln. Es ist an sich schon interessant zu sehen wie viele, nun ja, übergewichtige Frauen fast jeden Tag ins Fitnessstudio gehen und dort mit mir zusammen wahlweise einen Aerobic-, Zumba- oder Tanzkurs besuchen. Ehrlichgesagt  habe ich nicht den Eindruck, dass der Sport irgendetwas an der üppigen Körperform dieser Frauen ändert, auch wenn sie sich jede Sportstunde in einen „waist belt“ (eine Art elastisches Korsett) zwängen, der hier fleißig im Fernsehen beworben wird und angeblich beim Abnehmen helfen soll. In den Gesprächen dieser Frauen höre ich immer wieder das Wort „cintura“ (Spanisch für „Taille“) heraus, die wohl durch den Hüftgürtel schmaler werden soll. Allgemein gibt es in den Sportkursen entweder schlanke, durchtrainierte Frauen oder eben „Presswürste in Neonfarben“, wenn ich das jetzt mal ganz böse ausdrücke. Aussehen ist auch beim Sport extrem wichtig, und so muss der neueste Sportbody in Neonfarben oder ein raffiniertes Top mit Glitzer oder Spitze angezogen werden. Ich mit meinen neonorangefarbenen Schnürsenkeln bin somit zumindest halbwegs im Trend.

Der Trainer – ein durchtrainierter Strich in der Landschaft, der vermutlich schwul ist, wird von den Frauen angehimmelt und einige versuchen immer möglichst nahe bei ihm am Spiegel zu trainieren – nun ja, nicht anders als in einem Zumbakurs in Berlin. 😉 Er dreht die Musik immer so ohrenbetäubend laut auf, so dass ich trotz Ohropax in den Ohren, immer noch alles davon mitbekomme. Wir hopsen wie die Flummibälle durch den Raum, mixen ein paar Reggaeton-, Bachata-, Salsa- und Merengue-Schritte dazu und quälen uns mit Hanteln, Hüpfbällen und Stepper.

Eins steht fest: So viel Sport wie jetzt gerade habe ich jedenfalls lange schon nicht mehr gemacht. Naja, alles Training für den Pico Duarte, den höchsten Berg der Karibik, den ich über Neujahr besteigen werde!

Laut, lauter, Dominikanische Republik

Wie es gerade schon im Beitrag zum Fitnessstudio anklang, wird Musik hier sehr gerne SEHR LAUT aufgedreht. Es ist wirklich extrem und für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Autos mit extra auf dem Rücksitz eingebauten Lautsprecherboxen fahren am Haus vorbei, so dass die Fensterscheiben vibrieren – Reggaeton oder Bachata nicht nur vom Feinsten, sondern auch vom Lautesten. Auch wenn sich viele Dominikaner unterhalten, habe ich oft das Gefühl, sie würden sich anschreien oder sich zumindest streiten, da nicht nur die Gesprächslautstärke, sondern auch die Sprachmelodie recht „ausschlagend“ sind. Einen komplett stillen Ort sucht man oft leider vergeblich. Sind Leute da, ist immer auch Musik da. Habe ich schon erwähnt, dass neben meiner Wohnung gerade ein Colmado, ein kleiner Tante-Emma-Laden, aufgemacht hat? Gestern hatte uns der Betreiber versprochen abends keine Musik zu spielen – eine glatte Lüge, wie ich heute leider feststellen musste. Immerhin habe ich mein Zimmer hinten zum Hof raus. Aber auch da gibt es Nachbarn, die ganz gerne einmal die Boxen bis nachts um 2 Uhr aufdrehen. Eigene Musik brauche ich dann nicht mehr einlegen…

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Einmal Lautsprecher bitte!

Banco vs. Banca & weibliche Spielsucht

Anfangs dachte ich, dass es an jeder Ecke in der DomRep eine Bank gibt und freute mich schon, problemlos überall Geld abheben zu können. Aber irgendwie waren diese Banken komisch, es gab so eine Art Schalter und ständig hingen unsere Nachbarn vor einer solchen „Bank“ rum. Meine Gastmutter löste meine Verwirrung schließlich auf, in dem sie mir erklärte, dass es sich nicht um eine „banco“ (Bank), sondern um eine „banca“ handele, eine Art Spielbank, in der man Lottoscheine und auch Handyguthaben erwerben könne. Da viele Dominikaner, vor allem Frauen, lottosüchtig sind, gibt es diese bancas bis in den entlegensten Winkel jeden Dorfes.

Jeden Tag findet eine Lottoziehung statt, die zum einen auf manchen Radiosendern und immer im Fernsehen live übertragen wird. Es ist ein fast halbstündiges Spektakel, das sich unter der Leitung eines schauspielerprobten Moderators abspielt. Die Lottozahlen werden von immer anderen Personen gezogen, die mit Augenklappe und Handschuhen ausgestattet sind. Die Lottokugeln sind auf einer Kette aufgezogen, die dann über der Urne zerschnitten wird, so dass die Kugeln hineinfallen. Die für die entsprechende Urne zuständige Person mit Augenklappe präsentiert dann ihre leeren Hände ausdrucksschwer der Kamera, um vom Schummeln ausgeschlossen zu werden und zieht dann nach mehrmaligem schwungvollen „Umrühren“ die Lottozahlen des Tages. Der Moderator präsentiert die jeweilige Gewinnerkugel dann unter viel Geplapper in seinen mit Klarlack aufgehübschten Fingern der Kamera. Herrlich!

Auch wenn der Titel dieses Videos von der langweiligsten Lottoziehung der Welt spricht, ich finde es lustig! 🙂

Feliz Navidad (Fröhliche Weihnachten) – schon seit September!

Schon seit Ende September ist Weihnachten – zumindest wenn man dem Sortiment vieler Läden und der Hausdekoration vieler dominikanischer Familien folgt. Bereits Ende September konnte ich erste Fotos von Weihnachtsbäumen vor Geschäften machen! Jetzt Anfang November blinkert und glitzert es rot, blau, grün und lila bereits im ganzen Stadtviertel – Weihnachtsbäume und Glitzergirlanden liefern sich einen stromintensiven Wettbewerb und das obwohl der Strom in der DomRep der teuerste in Zentralamerika ist. Blinkende Rentiere und Weihnachtsmänner wirken auf einen Europäer so surreal und fehl am Platz wie die Weihnachtslieder, die in der Mittagspause in unser warmes, moskitogeplagtes Büro von einer Kindereinrichtung rüberschallen. Im größten Ramschladen der Stadt, La Cancha, hat die weihnachtliche Materialschlacht begonnen und so wird die vordere Geschäftshälfte bereits von stapelweise Glitzerdeko eingenommen. Schön ist was anderes…

Immer noch neue Ausflugsziele bei Jarabacoa – „La Confluencia“ und der Wasserfall Salto de Jimenoa Dos

Die Umgebung Jarabacoas – auch nach fast zwei Monaten ist sie noch für ein neues Ausflugsziel zu haben. So brachen Sarah und ich vergangenen Samstagmittag zu „La Confluencia“ auf, einem nördlich des Stadtzentrums gelegenen Zusammenflusses des Río Yaque del Norte und des Río Jimenoa auf. Auf der Straße hin zu diesem Ort wird es für dominikanische Verhältnisse erstaunlich ruhig, da La Confluencia quasi an einer Sackgasse liegt und wirklich nur Autos und Motorräder die Straße hinunterbrausen, die ausdrücklich zu diesem Ausflugsort wollen. Vor Ort ist es mit der Ruhe dann allerdings wieder vorbei: Nahe am Zusammenfluss steht eine kleine Bar, mit Plastikstühlen und -tischen draußen und der unvermeidlichen Bachata-Musik im Hintergrund. Jedes Auto, das vorfährt, wird sofort von einer Meute junger Kerle auf Pferden umringt. La Confluencia ist nämlich nicht nur eine beliebte Badestelle, sondern auch DER Ort in Jarabacoa um seine Kinder ein paar Runden reiten zu lassen. Klar, dass jeder Pferdebesitzer das nächste Kind „an Land“ bzw. eher „auf’s Pferd ziehen“ möchte. 😉

Sarah und ich packten, wie immer, unser Picknick aus und beobachteten das samstägliche Treiben unten am Fluss. Auf dem Rückweg kamen wir an einem Baseballfeld mit gerade laufendem Spiel vorbei, wobei ich überrascht war, wie langweilig der Spielverlauf war. Naja, vielleicht muss ich mich einfach nur mal mit den Regeln beschäftigen…

Sonntag wollten Sarah und ich den letzten der drei Wasserfälle Jarabacoas, den Salto de Jimenoa 2, in Angriff nehmen und so holten wir Ricky (aus dem Hostel Eco Aldea Casa Verde) und Samuel, ein guatemaltekischer Freund Sarahs, mit ins Boot. Ricky holte uns mit dem Hostel-eigenen Auto ab und so konnten wir durch eine herrliche grüne Berglandschaft hindurch bis zum Parkplatz vor dem Wasserfall fahren. Zum Wasserfall selbst muss man dann noch ca. 500 m über wackelige Hängebrücken laufen. Leider kommt man aber an den Wasserfall nicht so nah heran gelangen, wie es bei den beiden anderen der Fall gewesen war. Dafür aber führte dieser Wasserfall das meiste Wasser von allen dreien.

Den Nachmittag fuhren wir schließlich zur Eco Aldea Casa Verde (für mich also der zweite Besuch), wo wir nach einem leckeren Picknick noch im Fluss badeten und den Sonntag sehr gechillt ausklingen ließen.

Jarabacoa Revisited – La Colonia Agricola

Vergangenen Donnerstag hieß es für Sarah und mich raus aus dem Büro und rein in den Stadtteil Jarabacoas „La Colonia Agricola“! In diesem Stadtteil will unsere NGO Plan Yaque zusammen mit der US-amerikanischen Firma Tetratech und mit Hilfe der US-amerikanischen Charles River Watershed Association (CRWA) die Wasserqualität verbessern und dazu an geeigneten Stellen Kläranlagen bauen. Um den geeigneten Ort für diese Anlagen herauszufinden, muss natürlich erst einmal eine Feldstudie durchgeführt werden, die Sarah und mir anvertraut wurde. So rüsteten wir uns mit Kartenmaterial und Kamera aus und entdeckten unseren „Kiez“ noch einmal ganz neu wie ihr unten auf den Fotos sehen könnt. Die Dokumentation machte sehr viel Spaß und den nachmittäglichen Regenschauer verbrachten wir bei lecker Papaya- und Ananassaft im Hotel „Pinar Dorado“, das ebenso Teil La Colonias ist.

A propos Arbeit: Neben den Stadtteilbildern könnt ihr hier ein paar Bilder einer Konferenz zum Thema grüne Infrastruktur sehen, an der vor einigen Wochen sowohl Plan Yaque als auch Vertreter von Tetratech und CRWA teilnahmen. Die Organisation der ganzen Konferenz gab einen lehrreichen Einblick in die dominikanische Arbeits- und Organisationsweise (seeeehr flexibel und alles auf den letzten Drücker) und zudem konnten wir das herrlich am Fluss Río Jimenoa gelegene „Gran Jimenoa Hotel“ kennenlernen. Auf dessen Terrasse lohnt es sich definitiv einmal ein Bier zu trinken! 😉

In den letzten Wochen war ich von Arbeit aus zudem sehr oft mit auf dem „Campo“, d. h. auf dem Land in der weiteren Umgebung Jarabacoas, um Fotos zu machen. Eine super Sache, da ich die schöne grün-hügelige Landschaft kennenlerne und viel Zeit im Auto habe mit meinen Kollegen (Spanisch) zu sprechen und sie über die DomRep auszufragen.

Arbeitsausflug zu Las Placetas, Ort der Casabe-Brote, der heißen Quellen und des Vorzeigeprojekts „Basura Cero“

Am Samstag, den 10. Oktober 2015, hieß es früh aufstehen: Arbeitsausflug nach Las Placetas. Die mit Plan Yaque assoziierte NGO, Héroes del Medio Ambiente (Umwelthelden), die von Renate und Fernando geleitet wird, hat in verschiedenen Orten das Projekt „Basura Cero“ (Null Müll) eingeführt und lud nun zur Besichtigung des müllfreien Vorzeigeortes Las Placetas ein. Müllfrei heißt, dass kein Müll mehr auf der Straße liegt und sämtlicher Müll der Ortschaft getrennt und teilweise weiterverkauft, recycelt bzw. die Bioabfälle kompostiert werden. An der Exkursion nahmen Vertreter und Multiplikatoren von Manabao, einer westlich von Jarabacoa gelegenen Gemeinde, in der das Null-Müll-Projekt als nächstes eingeführt werden soll, teil.

Per Luftlinie liegen Jarabacoa und Las Placetas keine 40 km weit voneinander entfernt, aber da das Straßennetz in den Zentralkordilleren nicht sehr gut ausgebaut ist, mussten wir einen riesen Bogen über Santiago fahren und waren durch ständiges Warten auf weitere Ausflugsteilnehmer fast drei Stunden unterwegs und somit leider viel zu spät vor Ort. Nach einer Einführung am Ort der Mülltrennung gab es spätes Frühstück (für mich das zweite an diesem Tag) und danach eine Einführung in die Funktionsweise eines Komposthaufens, die die Frau des Hauses, die das Frühstück ausgerichtet hatte, vornahm. In ihrem Haus konnte man schon diverse Stücke Recycel-Kunst sehen: Ein Bild aus Glasresten von Bierflaschen, eine Collage aus Papierschnipseln von alten Prospekten und – ziemlich cool – Rosen aus aufgeschnittenen und rot angemalten Plastikflaschen. Doch damit nicht genug recycelt: Wir fuhren weiter in den „Salon“ der Kirche, wo uns eine Frauengruppe ihr ursprünglich einmal von der GIZ angeleiertes Müllrecycelprojekt vorstellte und Recycel-Kunst und -Dekogegenstände verkaufte. Am abgefahrensten fand ich die Weihnachtsbäume aus grünen aufgeschnittenen Plastikflaschen! Nicht wirklich hübsch, aber immerhin recycelt! Tja, und keine 1,5 Stunden nach dem, wohlgemerkt ordentlichem, d. h. kohlenhydrat-, ei- und wurstreichen, typisch dominikanischen Frühstück gab es schon wieder Mittagessen. Und die Exkursionsteilnehmer schaufelten sich Riesenportionen rein wie als hätte es vorher nichts gegeben – Wahnsinn!

Dann hieß es auch schon wieder Aufbrechen für den langen Weg zurück nach Jarabacoa vorbei an den heißen Quellen, in denen man baden kann, und vorbei an den Verkaufsständen mit Casabe-Brot in allen Geschmacksrichtungen (Spezialität der Region) und Süßkram. Statt mit Essen endete unsere Fahrt allerdings mit Trinken – Presidente-Bier Light kunstvoll während der Fahrt in einen Plastikbecher geschüttet. Auch für den Fahrer…! Salud! 😉

Santiago de los Caballeros – Kulturwochenende in der zweitgrößten Stadt der Dominikanischen Republik

Das erste Oktoberwochenende nutzten Sarah und ich um unser Jarabacoanisches Kulturdefizit auszugleichen und in die zweitgrößte Stadt der DomRep, nach Santiago de los Caballeros, zu fahren. Uns hatte ein argentinisch-brasilianisches Pärchen, Fernando und Renata, eingeladen, die wir über die Arbeit bei Plan Yaque kannten, die ein Haus in Santiago haben und die zudem genauso kulturbegeistert sind wie wir. Es traf sich somit gut, dass in Santiago gerade ein Filmfestival stattfand, auf das wir Samstagabend gingen. Der brasilianische Film, der gezeigt wurde, war auf Spanisch synchronisiert – zum Einen zu unserem Grauen, da manche Synchronstimmen einfach gar nicht passten, zum Anderen zu Sarahs und meinem Glück, da man das synchronisierte Spanisch ziemlich gut verstehen konnte. Das Einkaufszentrum, in dem sich das Kino befand, war Samstagabend keineswegs leer, denn halb Santiago schien entweder ins Kino zu pilgern oder sich im Foodcourt mit Fastfood vollzustopfen.

Doch nicht nur der Abend in Santiago war mit Kultur gefüllt, sondern bereits der Rest des Tages. Wir hatten Samstagmorgen zwei Guaguas von Jarabacoa über La Vega genommen und waren spontan ausgestiegen als wir das monumentale Denkmal Santiagos sahen, das Monumento a los Héroes de la Restauración de la República. Ursprünglich während der Trujillo-Ära (1930-61) erbaut, um den Diktator selbst zu feiern, wurde es nach seiner Ermordung umgewidmet und den Soldaten geweiht, die 1865 für die Unabhängigkeit der Republik von Spanien gekämpft hatten. Man hat vom Sockel und von der Aussichtsplattform des Denkmals einen herrlichen Blick ins Cibao-Tal, das von den Zentral- und den Nördlichen Kordilleren eingerahmt wird. Im Inneren des Denkmals wurde die Geschichte des dominikanischen Unabhängigkeitskriegs mit Wachsfiguren und sozialistisch anmutenden Gemälden nacherzählt. Zudem kam ich zum ersten Mal mit der dominikanischen Karnevalskultur in Berührung, da einige der farbenfrohen und echt abgefahren aussehenden Kostüme ausgestellt waren.

Nach der Monumento-Besichtigung sammelten uns Fernando und Renata ein und wir fuhren zum Kulturzentrum Centro Leon, in dem just an diesem Tag Geburtstag gefeiert wurde und Tag der offenen Tür war. 🙂 Neben einer Dauerausstellung zur indigenen Geschichte der DomRep (die indigene Bevölkerung der Taínos ist allerdings leider von den spanischen Kolonisatoren im 16. Jahrhundert komplett ausgerottet worden) gab es einer weitere Ausstellung zur neuzeitlichen Alltagsgeschichte. Dazu passend war im Garten eine Bierausstellung aufgebaut worden, da die lokale Biermarke „Presidente“ in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feiert. Eine sehr interessante Biergeschichte, auch wenn das Bier selbst für deutsche Verhältnisse fast wie Wasser schmeckt. Es könnte aber schlimmer sein, denn Renata erzählte uns, dass das brasilianische Bier im Gegensatz zu „Presidente“ wie Wasser sei… 😉 Die Marke „Presidente“ wurde übrigens von Diktatur Trujillo ins Leben gerufen und da es zu seiner Zeit nur einen „El Presidente“, nämlich ihn selbst, geben durfte, musste sich das Bier damals „Presidente Especial“ nennen.

Sonntag schauten wir uns noch Santiago Downtown, das historische Zentrum, an. Viele der traditionellen karibisch-bunten Holzhäuschen erinnerten mich an Häuser, die ich als Kind bei einem Familienurlaub in Südflorida, v. a. Key West, gesehen hatte. Oft wird Florida ja auch zur Karibik gezählt und Miami ist nach New York der Ort, in dem die meisten Auslandsdominikaner leben.

Salto Jimenoa Uno – Ausflug zum Wasserfall mit deutschen Überraschungen

Rund um Jarabacoa gibt es insgesamt drei Wasserfälle: Nummer Eins bzw. eigentlich Drei haben wir mit dem Salto de Baiguate bereits abgeklappert, bleiben nun noch Salto de Jimenoa Uno (Eins) und Salto Jimenoa Dos (Zwei) übrig. Nachdem wir uns nach einiger Verwirrung aufgrund der ähnlichen Namen darauf geeinigt hatten, den Numero Uno zu besuchen, verließen wir vergangenen Samstagmorgen Jarabacoa und wanderten ca. 6 km an der bergigen Straße nach Constanza entlang. Leider kein schöner Weg, aber wir wollten eben laufen und uns nicht mit dem Motoconcho hinkutschieren lassen. Am Abzweig zum Wasserfall kamen wir schweißnass gebadet an und mussten uns erst einmal ausruhen und Luft zufächeln (Ein Königreich für meinen Fächer!) bevor wir zum kleinen Kassenhäuschen gingen. Schon beim Reinkommen konnte ich sehen, wie die Frau am Einlass und eine andere Frau über einer Bibel gebeugt saßen und über bestimmte Passagen zu diskutieren schienen. Es stellte sich heraus, dass die andere Frau Deutsche war, die seit über 20 Jahren mit ihrem Mann in der Gegend lebte, ihren bayrischen Dialekt aber unüberhörbar beibehalten hatte. „Kann i eu was zu Lesen mitgeb’n?“ fragte sie uns beim Abschied. Ich lehnte dankend ab, Sarah bejahte und erhielt eine Broschüre der Zeugen Jehovas auf Spanisch! 😉 Das deutsche Ehepaar war also missionarisch in der Gegend unterwegs! In Jarabacoa hatten wir bereits eine Kirche der Zeugen Jehovas gesehen und auch ansonsten sieht man öfter Zeugen Jehovas mit diesen „Bibelwägen“, die an öffentlichen Plätzen versuchen Leute anzusprechen und religiöse Texte zu verteilen.

Nachdem wir also diese erste deutsche Überraschung des Tages (eine zweite sollte folgen) „verdaut“ hatten, stiegen wir zum Wasserfall hinab. Den steilen, aber gut angelegten Weg säumten diverse Informationstafeln zur heimischen Flora und Fauna, zum Wassersystem, zur Bodenbeschaffenheit, Geologie, etc., die in vier Sprachen verfasst worden waren (Spanisch, Englisch, Französisch und sogar Deutsch!). Unten am Wasserfall angekommen tat sich trotz Wasserknappheit ein herrliches Felspanorama mit Wasserfall auf. Der Wasserfall stürzt aus ca. 20 Metern Höhe hinab und ist von bewachsenen Felswänden gesäumt. Angeblich soll hier eine Szene aus dem ersten Jurassic-Park-Film von Steven Spielberg aus dem Jahr 1993 gedreht worden sein. Wir setzen uns erst einmal in den Schatten, packten wieder ein großes, gesundes Picknick aus und bestaunten den Wasserfall. Am Ende tauchte sogar noch Yonattan, ein Student der Umweltschule in Jarabacoa auf und konnte uns noch einiges mehr über Flora und Fauna des Ortes erzählen.

So steil der Abstieg zum Wasserfall gewesen war, so steil mussten wir auch wieder hinaufsteigen. Yonattan schaffte das mehr als uns und noch diese Woche jammerte er uns von seinen Beinschmerzen vor. Wie gesagt, Laufen ist hier ja eher out. 😉 So liefen wir diesmal auch nicht zurück, sondern trampten. Irgendwann erbarmte sich ein Autofahrer und ließ uns drei einsteigen. Der Typ war einfach nur abgefahren: Fette Sonnenbrille und nicht minder fette/fettige Haare, die er mit unglaublich viel Pomade nach hinten gelegt hatte, eine noch fettere Lautsprecherbox auf der Rückbank vor der ich saß, die aber Gottseidank nicht angestellt war, und natürlich die obligatorische Frage „Woher kommt ihr?“. Als wir ihm erzählten, dass wir aus Deutschland seien, fing er an, von seiner in Deutschland lebenden Tochter zu erzählen, begann irgendwelche Kuhkäffer in der Nähe von Mainz („irgendwas mit …heim am Ende“) aufzuzählen und von den dortigen Weinfesten zu schwärmen. Die deutsche Überraschung Numero Zwei des Tages! Und sicher nicht die Letzte hier… .