Sansibar wunderbar – kama kawaida (wie immer)!

In der Hoffnung vielleicht doch noch die letzte Fähre gegen 16 Uhr von Dar-es-Salaam nach Sansibar zu erhaschen, hatten wir früh morgens um 6 Uhr den Bus von Arusha nach Dar gebucht. Doch Pustekuchen! Die Fahrt zog sich aufgrund der, wie es so schön heißt, suboptimalen Straßenverhältnisse und einem Megastau am Außenrand Dars ewig hin und wir erreichten das Stadtzentrum nicht einmal vor 17 Uhr. Sitzen konnten wir am Ende der Busfahrt echt nicht mehr, denn die Sitze in der hintersten Reihe waren einfach nur supereng und die Fahrt durch die ständigen Bremshuckel auf der Fahrbahn super unbequem. Abgesehen von der Cola-Dusche, die ich mir selbst verpasste, als der Bus über einen der Bremshuckel zu schnell hinüberbretterte…

In Dar übernachteten wir schließlich sehr günstig in einem Hostel einer christlichen Fraueninitiative nahe am Fährhafen, wo es sehr sauber und bis auf die morgendlichen Jogger mit ihren militärisch anmutenden Motivationsgesängen auch sehr ruhig gewesen war. Der abendliche Spaziergang durch Dar auf der Suche nach einem Restaurant war sehr interessant: Man hatte das Gefühl fast nur indisch- und arabischstämmige Tansanier auf der Straße zu sehen. Nun ja, da diese finanziell meist bessergestellt sind als „schwarze“ Tansanier können sie sich das Leben im Stadtzentrum überhaupt leisten und müssen nicht in einem der zahlreichen Umgebungssiedlungen am Stadtrand wohnen.

Am nächsten Morgen um 7 Uhr nahmen wir die Fähre nach Sansibar. Für mich quasi: Welcome back home! Wir übernachteten bei meinem Gastvater in Stone Town und am ersten Tag standen erst einmal Wäsche waschen und ein Rundgang durch Stone Town auf dem Programm. Wahnsinnig viel hatte sich im Vergleich von vor einem Jahr nicht verändert, aber ich war geschockt, viele neu hochgezogene Hotels zu sehen. V. a. das klobige Hyatt an der Meeresfront überwältigte mich – allerdings eher im negativen Sinne!

Die Woche auf Sansibar verbrachten wir mit Gewürz-, Tücher- und Stoffshopping in Stone Town, Freunde treffen, Umherflanieren, morgendlichem Yoga am Strand mit Ayda und Freunde treffen. Olga und Yasmin unternahmen einen Ausflug an den Strand von Kendwa und kehrten sonnenverbrannt als „red lobsters“ zurück. Ich für meinen Teil verbrannte mir ebenfalls die Rückseite, jedoch beim Schnorcheln in Fumba. :-S

Tarangire-Nationalpark und Europa mitten in der afrikanischen Pampa

Den dritten und vierten Tag unserer Safaritour besuchten wir den Tarangire-Nationalpark, der 1970 aus ehemaligen Kolonial-Jagdrevieren entstanden war und dessen Fläche in etwa der des Landes Luxemburg (!) entspricht. Landschaftlich bot dieser Park mit seinen Baum- und Sumpfsavannen wieder etwas ganz anderes als die ersten beiden Nationalparks. Auch die Elefantendichte erhöhte sich noch einmal merklich im Vergleich zu den anderen beiden Parks und wir hatten ausführlich Gelegenheit die Dickhäuter aus nächster Nähe zu beobachten. Ebenso auffällig waren die überall in der Landschaft stehenden phallusförmigen meterhohen Termitenhügel – Wahnsinn, was diese kleinen Insekten so alles bauen können! Auf den Termitenhügeln hockten jedoch recht oft Mungos in Lauerposition, um mit ihren schmalen Schnauzen in die Termitengänge zu kriechen und die Insekten mit der Zunge herauszufischen.

Nach einem halben Tag Tour im Tarangire-Park hatte Evodi noch eine Überraschung für uns. Er fuhr uns aus dem Park hinaus bis hin zu einer dieser luxuriösen 5-Sterne-Safarilodges mitten in der Pampa. Da waren wir nicht böse drüber! 😉 Untergebracht waren wir in eine Art Hauszelt, das auf einem Holzgestell gespannt war, aber sämtlichen Komfort samt eingebauter Toilette und Dusche bot, den man sich vorstellen kann. Vom Balkon aus konnten wir in die Savannenlandschaft rund um den nahegelegenen Lake Manyara blicken und die vor sich hinbrummenden Gnus und viele andere Tiere beim Vorbeilaufen beobachten. Doch damit nicht genug: Wir schlenderten zum Pool und konnten von dort aus weiter in die herrliche Landschaft blicken und Zeuge eines grandiosen Farbspektakels beim Sonnenuntergang werden. Als weniger grandioses Farbspektakel entpuppte sich die von Olga bestellte Margarita, womit wir bei Getränkeanekdote Numero 2 unserer Reise ankommen wären: In der Hoffnung in einem 5-Sterne-Hotel eine „normale“ Margarita zu bekommen, wenn man eine „Margarita“ bestellt, erhielt Olga einen quietschgrünen, viel zu süßen Drink, der eine Mischung aus Fanta und einem nicht zu definierenden Alkohol darstellte. Nun ja, es muss sich wohl um die tansanische Variante einer Margarita gehandelt haben. 😉 Ich hatte mir (natürlich) wieder „nur“ ein Bier bestellt und stellte (wieder einmal) fest, dass ich damit nichts falsch gemacht hatte. 😉

Beim Abendessen (ein riesiges Buffet!) auf der Terrasse hatten wir ein bisschen das Gefühl nicht mehr in Afrika zu sein – wir waren umgeben von komischen europäischen Touristen, die irgendwie alle über Deutschland zu lästern schienen, so wie wir es aus den Wortfetzen mitbekamen… Ich musste unweigerlich an die ganzen komischen Vögel in Thomas Manns „Zauberberg“ denken, die im Sanatorium oben in den Bergen abgeschieden vom restlichen Europa ihre Marotten auslebten…

Nach einem reichhaltigem Frühstück und dem Packen der Lunchbox (diesmal durften wir sie selbst anhand eines Buffets zusammenstellen!) ging es einen weiteren halben Tag in den Tarangire-Nationalpark. Noch ein letztes Mal konnten wir die wuchtigen Baobab-Bäume besichtigen, hüpften uns die Tiere direkt vor das Auto und noch ein letztes Mal konnten wir sie in Großaufnahme in freier Wildbahn fotografieren. Am zeitigen Nachmittag fuhr uns Evodi zurück nach Arusha, wo wir noch eine Nacht verbringen sollten, bevor wir am nächsten Tag per Bus nach Dar-es-Salaam aufbrachen. Ich fuhr am Abend noch nach Moshi, um Couchsurfer Martin zu treffen, bei dem ich bei meiner ersten Festlandtour vor zwei Jahren schon einmal übernachtet hatte. Danach fuhr ich noch am selben Abend mit dem Bus zurück nach Arusha ins Hotel, wo ich sogar 21.30 Uhr netterweise noch einen Berg Reis mit Gemüse vorgesetzt bekam. 🙂

Weiter unterwegs im East African Rift Valley – der Lake-Manyara-Nationalpark

Nach einer Woche Kilimanjarotour waren unsere Füße komplett im Eimer. Die Zehen waren so steif, dass wir kaum normal laufen konnten und so kam uns die Aussicht auf eine Safari im Geländewagen wie gelegen. Wir buchten über einen Freund unseres Guides Fortu eine viertägige Safaritour zu einem supergünstigen Preis und zurrten noch am Tag der Rückkehr vom Kili alle Modalitäten fest. Am nächsten Morgen wurden wir von Fahrer Evodi und Touroperator Evarest im Hotel abgeholt und erst einmal nach Arusha kutschiert, wo wir alles Finanzielle regelten. Das war gar nicht so einfach, denn wir hatten nicht, wie jeder andere brave Pauschaltourist, Unmengen an Dollars in Cash dabei und mussten die Safarigebühren in Tansanischen Schilling (TSH) abheben. Da es höchstens 10.000 TSH-Scheine gibt, die etwa 5€ entsprechen, könnt ihr euch die Geldstapel vorstellen, die wir Evarest überreichten 😉 Nachdem wir die monetären Angelegenheiten hinter uns gebracht hatten, konnten wir uns endlich entspannt ins Auto setzen und fuhren gen Westen aus Arusha hinaus bis zum Lake-Manyara-Nationalpark und blieben somit weiterhin im Gebiet des Ostafrikanischen Grabens (Great Rift Valley) – ein Name, an den ich mich nur noch dunkel aus meinem Geografieunterricht an der Schule erinnerte. Interessanterweise hat dieses Grabenbruchsystem z. B. mit dem Kilimanjaromassiv und dem Mount Meru einige der höchsten Berge Afrikas und einige der größten und tiefsten Seen Afrikas (z. B. Victoriasee, Tanganjikasee) hervorgebracht. Der Lake-Manyara-Nationalpark ist 1960 gegründet worden und wurde gleich 1962 von Regisseur Howard Hawks für den Dreh seines Films „Hatari!“ („Gefahr“ auf Kiswahili) als Kulisse genutzt. Ein weiterer Teil der Filmszenen wurde übrigens im Ngorongorokrater gedreht, den wir am folgenden Tag besuchen sollten. Nach einem schnellen Mittagessen auf dem Rastplatz des Nationalparks ging die Safari auch schon los: Evodi schob das Jeepdach nach oben, so dass wir uns während der Fahrt hinstellen und nach draußen schauen und fotografieren konnten. Das erste Highlight waren Paviane, dann ein „Hippo-Pool“ (also in einem Tümpel badende Nilpferde) samt nerviger tansanischer Schulklasse, die mehr interessiert daran waren ein Foto mit einem „Mzungu“, also einem von uns, zu bekommen als die Nilpferde aufzunehmen. Bis kurz vor Sonnenuntergang gegen 18 Uhr fuhren wir im Park herum und konnten Giraffen, erste Elefanten, Zebras, Warzenschweine, viele bunte Vögel und riesige Termitenhügel sichten. Es ist schon wirklich toll diese ganzen Tiere nicht eingesperrt im Zoo, sondern in freier Natur beobachten zu können! Auch die Flora hielt ein paar Highlights für uns bereit: schöne Baobab-Bäume und den lustigen „Sausage Tree“ (Wurstbaum), dessen hängende lange Früchte eben wie Würste aussahen. Man könnte meinen, diese Art Baum gehöre eigentlich nach Deutschland 😉 Diese und die kommende Nacht verbrachten wir im nahegelegenen Ort Mto wa Mbu, was auf Kiswahili nichts anderes als „Fluss der Moskitos“ bedeutet, da der Ort von einigen Gewässern (Mto wa Mbu River & Lake Manyara) umgeben ist und somit die perfekte Brutstätte für Moskitos bildet :-S Zum einen ist der Ort berühmt für seine roten Bananen, die einem, sobald man mit dem Auto durch den Ort fährt, schon am Autofenster aufgedrängt werden. Zum anderen stellt „Moskito-Town“ ein sozialistisches Experiment dar, bei dem man versucht hatte jeweils ein paar Vertreter von den etwa 120 in Tansania existierenden Bevölkerungsgruppen hier anzusiedeln. Leider hatten wir keine Gelegenheit auf den Markt zu gehen und näher mit den Einwohnern in Kontakt zu kommen bzw. die verschiedenen Produkte jeder Ethnie in Augenschein zu nehmen. Wir kauften nur bei einem völlig gechillten Rastafari nahe des Hotels ein paar Früchte aus seinem Garten ein. Die Übernachtung in Mto wa Mbu bescherte uns außerdem eine unvergessliche Anekdote im Bezug auf tansanischen Wein. Wie, ihr habt noch nie vom tansanischen Dodoma-Wein gehört? Dodoma ist die eigentliche Hauptstadt Tansanias, auch wenn oft die Wirtschafts- und Kulturmetropole Dar-es-Salaam dafür gehalten wird. Und um Dodoma herum befindet sich das einzige Weinanbaugebiet Tansanias. Laut meinem Reiseführer werden dem Wein dort viele Chemikalien zugesetzt, so dass seine Qualität nicht die beste ist. Olga entdeckte im neben dem Hotel gelegenen Supermarkt Dodoma-Wein und fragte später beim Abendessen den Kellner, ob der Wein nicht im Hotel verfügbar sei und sie und Yasmin ihn ausprobieren könnten. Der Kellner nickte und wollte den Wein servieren. Als er aus dem Essensraum hinausgegangen war, beobachteten wir nur, wie er die Hintertür nutzte, um hinüber zum Supermarkt zu gehen und dort eine Flasche Wein zu kaufen. Diese wurde Olga und Yasmin dann für umgerechnet etwa 15€ (!) vorgesetzt. Der Wein schmeckt allerdings wirklich ziemlich furchtbar und viel zu sauer, so dass die beiden nicht einmal die ganze Flasche leeren konnten. Ich hatte mir vorsorglich gleich ein Kilimanjaro statt Wein bestellt. Aber nun hatten wir immer alle einmal Dodoma-Wein gekostet, auch wenn es wohl das letzte Mal gewesen sein wird…

Im Bann der Gewürzinsel

Da aller guten Dinge drei sind, führte mich mein Jahresendurlaub (mal wieder) auf die Gewürzinsel alias Sansibar. Ich hatte mir fest vorgenommen, Silvester diesmal nicht umgeben von grauem Schneematsch, Minusgraden und lauten Böllern zu verbringen, sondern in die Wärme zu entfliehen. Maki war bereits ein paar Tage vor mir auch nach Sansibar gereist und so trafen wir uns vor Ort wieder. Wir entschlossen uns zusammen mit ein paar Leuten aus der Salsagruppe zur Silvesterparty in den Nordwesten der Insel, zum „Kendwa Rocks“ zu fahren. So weit, so gut. Die Organisation am 31.12. lief dann herrlich sansibarisch ab: Wir verabredeten uns 21 Uhr am Forodhani Park, um nach Kendwa zu fahren (Fahrtzeit etwa 1 Stunde). Da Maki, die mit mir zusammen in der Gastfamilie wohnte, erst spät nach Hause gekommen war, trafen wir am vereinbarten Treffpunkt erst 22 Uhr ein, was aber auch niemanden zu stören schien. Zumal unser Fahrer, einer aus der Salsagruppe, der ein Auto hat, auch noch nicht da war. Tja, wir fuhren schließlich kurz vor 23 Uhr los und ich prophezeite bereits, dass wir NIE pünktlich zum Feuerwerk in Kendwa sein würden. Aber welch Wunder (ich frage mich, wie dann doch immer alles klappt…) – wir trafen genau mit dem Einsetzen des Feuerwerks um Mitternacht ein! Leider habe ich das Video, das ich mit meinem Handy aufgenommen habe, nicht mehr gespeichert, so dass ihr euch die Strandparty mit Feuerwerk selbst ausmalen müsst. Es waren wahnsinnig viele Leute da, natürlich mehrheitlich Wazungu, und es wurde an jeder Ecke getanzt, gekifft und getrunken 😉 Aber allein die Tatsache draußen direkt auf dem Strand am Meer zu feiern, entschädigte für die etwas unberechenbaren Menschenmassen!

Nach Silvester unternahm ich dann einige Ausflüge auf der Insel, zu Orten, die ich bisher noch nicht besichtigt hatte (ja, auch die gibt es!). So schaute ich mir endlich einmal den Jozani Forest an, der letzte klägliche Rest Regenwald, der heute noch auf Sansibar übriggeblieben ist. Früher muss wohl die ganze Insel so ausgesehen haben (siehe Fotos unten), aber für den Gewürzanbau waren die meisten Waldflächen im 19. Jahrhundert gerodet worden. Im Jozani Forest gibt es den so genannten Red Colobus Monkey, eine endemische Affenspezies, die nur noch auf Sansibar zu finden ist. Im Wald kann man nur mit einem Führer herumlaufen, was aber den großen Vorteil hat, dass er einen direkt bis zu den Affen bringt, die wir dann direkt vor der Nase hatten und beobachten konnten. Wir stapften danach einen Rundweg entlang durch den Dschungel und fuhren im Anschluss in den gegenüberliegenden Teil des Waldes, der über und über mit Mangroven bewachsen ist. Das Wasser drumherum speist sich direkt aus dem Meer, so dass man die Gezeitenwechsel gut beobachten kann.

Mit Ayda und Maki unternahm ich zudem einen Ausflug an die Nordostküste nach Mchangani, wo wir eigentllich Schnorcheln gehen wollten, was wir aber aufgrund des starken Windes (es war gerade die Zeit des Kaskazi-Monsuns) leider absagen mussten. Das Hotel, in dem wir untergebracht waren, entpuppte als sich mehr als kurios: Als wir dort abends eintrafen, war kein Personal da, und Mwinyi, der Tourguide, der es uns vermittelt hatte, musste erst einmal in der Küche suchen, bis er einen Ansprechpartner fand. Es hieß, die slowakische Managerin hätte vor Kurzem die Insel verlassen, und so organisiere sich momentan das Küchen- und Putzpersonal selber. Wir erhielten zum Glück trotzdem ein Zimmer und unerwarteterweise ein üppiges Abendbrot und auch am nächsten Morgen ein riesiges Frühstück. Dadurch, dass es sich nicht um ein Hotel im Ressortstil, sondern mehr im „Local Style“ handelte, hatten wir auch keine nervigen Souvenirverkäufer am Hotelstrand, sondern nur einheimische Fischer und Frauen, die jeden Tag den Seetang sammeln, der dann weiterverkauft und weiterverarbeitet wird. Am nächsten Morgen machten wir einen Strandspaziergang vorbei an den ganzen Ressorthotels und sahen die Auswirkungen des Massentourismus in aller Deutlichkeit: Nervige Souvenirverkäufer, oftmals Massai, die vor den großen Ressorthotels auf die Wazungu-Touristen warteten und überall Beachboys im Rastafari-Look. Und ich sah etwas, das ich bisher nur aus dem Film „Paradies Liebe“ (ein erschreckend realer Film über Sextourismus in Kenia) kannte: Am Strand vor dem Hotel war eine Linie im Sand gezogen, über die die Souvenirverkäufer nicht treten durften, da sie sonst wohl in das Privatgelände des Hotel eindringen würden. D. h. vor dieser Linie sammelte sich eine große Menschentraube von wartenden Strandverkäufern und ab und zu näherte sich einer der Touristen, bzw. vorwiegend eine der Touristinnen, der Linie an, um mit den Verkäufern zu sprechen. Ein bizarres Schauspiel! Den Tag beschlossen wir mit einem Besuch im Zanzibar Zoo, der sich größtenteils als erstaunlich tierfreundlich erwies (zumindest gab es viel größere Käfige als in dem Zoo, den ich aus Agadir in Marokko in Erinnerung habe).

Ich war gerade zu einer Zeit auf Sansibar, als die alljährlichen Jubiläumsfeierlichkeiten zur Revolution einsetzen, die jedes Jahr  am 12. Januar begangen werden, wobei man sich fragen muss, was man angesichts des großen Massakers, das damals v. a. an den Arabern begangen worden ist, überhaupt feiern soll… Naja, dieses Jahr waren es die Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum und dementsprechend alle offiziellen Gebäude waren in den Farben der tansanischen Flagge geschmückt und zahreiche Events organisiert worden, die allerdings keinerlei historische Analyse der Revolution vornahmen, sondern schlicht und ergreifend Sansibar in der Jetztzeit zelebrierten. Maki und ich besuchten eine Art Messe, auf der sich alle derzeitigen Regierungs- und öffentlichen Organisationen und Inititiativen auf Sansibar vorstellen. Es gab Stände der Polizei, der Immigrationsbehörde, der Uni SUZA aber auch Kuriositäten wie der Zoo, der mit zahlreichen ausgestellten Tieren vertreten war (darunter eine Riesenhyäne in einem Minikäfig) und eine Veterinärstation, die angeblich live und vor Ort Abtreibungen an Katzen durchführten (wozu macht man so was denn…?). Wir schleppten uns durch die Mittagshitze auf der Suche nach etwas Essbarem, was es aber erst später geben sollte und so mussten wir uns mit trockenen Zimtkringeln („Danish“) zufriedengeben, die wir am Stand des Mbawani-Hotels (dort werden die meisten Hochzeiten Sansibars abgehalten und dort befindet sich auch die einzige richtige Disko der Insel) unter dem Konterfei des derzeitigen Präsidenten Mohammed Shein einnahmen.

Während meiner Zeit auf Sansibar fuhr ich zudem für einen Tag mit der Fähre auf’s Festland, nach Dar-es-Salaam, hinüber, um dort eine kleine Tour zu machen. Als ich nämlich an meinem ersten Tag in Tansania in Dar gelandet war, hatte ich dort eine Nacht bei Janet, der Schwester meiner Kiswahili-Lehrerin in Berlin, übernachtet. Leider war an diesem Tag nur eines meiner zwei aufgegebenen Gepäckstücke nicht mitgekommen und so gab ich an, dass mir das fehlende Gepäckstück an die Adresse meiner Gastfamilie in Sansibar geliefert werden solle, da ich in Dar gar nicht wusste, wo Janet und ihr Mann James eigentlich wohnten. Ihr Haus befindet sich so weit außerhalb des Stadtzentrums, dass es dort keine Straßen im europäischen Sinne gibt und Straßenschilder schon gleich gar nicht. Letztendlich musste ich mir mein fehlendes Gepäckstück jedoch komplett selbst organisieren: Ich musste viermal hinter dem Fundservice hinterhertelefonieren (von wegen: „Ja ja, wir rufen Sie an, wenn wir das Gepäckstück haben und zu Ihnen liefern!“) und musste es schließlich auch selbst vom Flughafen in Sansibar abholen. Naja, ich war am Ende einfach nur heilfroh, es wiederzuhaben, denn ich hatte schon Angst gehabt, dass es eventuell wieder nach Deutschland zurückgeschickt werden könnte. Um an den Anfang der Geschichte zurückzukommen: Janet hatte also an meinem ersten Tag in Dar noch gar keine Zeit gehabt, Geschenke für ihre Schwester in Deutschland zu kaufen, die ich mitnehme sollte, so dass ich ihr entgegenkam und sagte, ich würde noch einmal einen Tag nach Dar kommen, um die Sachen dann in Empfang zu nehmen. So geschah es auch und ich unternahm mit ihrem Mann James noch einen kleine Spritztour in Dar und besuchte u. a. den Makonde-Markt in Mwenge, wo man v. a. Skulpturen, Ledersandalen und Tinga-Tinga-Malereien kaufen kann,  und den Stadtstrand. Als ich am Abend zurück in Sansibar war, hörte ich die schreckliche Nachricht: Am selben Tag waren auf einer Fährüberfahrt von Pemba nach Unguja (wird immer als „Sansibar“ bezeichnet, wobei eigentlich Pemba und Unguja zusammen Sansibar bilden) fünf Leute wegen des heftigen Windes über Bord gegangen und ertrunken und 20 weitere wurden noch vermisst. Hier ein Artikel dazu:

http://sabahionline.com/en_GB/articles/hoa/articles/newsbriefs/2014/01/06/newsbrief-01

Das Unglück passierte am Morgen, aber erst nachmittags wurden Suchtrupps per Flugzeug eingesetzt, um nach den Opfern zu suchen. Wahrscheinlich gab es vorher keinen Sprit, wie ich zynischerweise vermute… Auch meine Fährüberfahrt war an diesem Tag von hohen Wellen begleitet gewesen, aber der Seegang zwischen Pemba und Unguja muss wohl immer um einiges stärker sein als der zwischen Unguja und Dar. Denn bereits 2011 hatte es auf der erstgenannten Strecke ein großes Fährunglück gegeben:

http://www.france24.com/en/20110910-dozens-injured-dead-tanzania-ferry-accident-drowned-capsized-zanzibar/

http://www.dailymail.co.uk/news/article-2035825/Zanzibar-ferry-disaster-Desperate-survivors-cling-mattress-190-drown.html

Ein bitterer Beigeschmack, der bleibt…

Reise in Tansania-Festland: 1. Station Dar-es-Salaam

Ab dem 23. April 2013 hieß es für mich zum ersten Mal „Likizo“ (Urlaub), den ich nach etwas Recherche auf dem tansanischen Festland verbringen wollte. Im Vorfeld hatte ich auch ein paar Couchsurfer angeschrieben und war schon gespannt darauf, wie gut das wohl in Tansania funktionieren sollte (und das tat es schließlich!).

Ich nahm am Mittwoch, den 23.4., die Fähre von Sansibar nach Dar-es-Salaam (kurz: Dar), wo mich Couchsurferin Chenda direkt am Fährhafen abholte. Gar nicht so einfach, sich dort gegen die ganzen Taxifahrer und Straßenhändler durchzusetzen, die einen die ganze Zeit anlaberten, weil man eben als „Mzungu“ dort umherspazierte. Mit Chenda fuhr ich schließlich in ihr weit außerhalb  gelegenes Wohngebiet. Und obwohl ich an diesem und am nächsten Tag nicht viel vom eigentlich sehenswerten Zentrums Dars zu Gesicht bekam, erhielt ich zumindest beim Durchfahren zu den Außenbezirken einen guten Eindruck: Die Stadt scheint morgens und abends ein noch massiveres Verkehrsproblem als Casablanca zu haben. Alle Straßen sind verstopft, was vor allem auch durch die schlechten Straßen verursacht wird. Vor allem in den Außenbezirken sind nur die Hauptstraßen betoniert, der Rest matschige, huckelige Feldwege, die sich während der Regenzeit mit riesigen Pfützen füllen. Fährt man aus Dar raus, sieht man, dass auch hier wie in Casa eine Straßenbahn gebaut wird und die STRABAG zudem an einem großen Highway werkelt. Die Stadt scheint unglaublich schnell gewachsen zu sein: riesige Hochhäuser, Bankgebäude und Einkaufszentren bestimmen das Stadtzentrum, die man schon von weitem sieht, wenn man von außerhalb in die Stadt reinfährt. Dort, wo Chenda und ihre Familie wohnte, das genaue Gegenteil: ärmliche, einstöckige, enge Häuser umgeben von Müllbergen ohne Ende, durch die ein grauer „Fluss“ hindurchwaberte. Vor allem der ganze Müll schockierte mich und dass alle alle Abfälle ganz einfach hinter dem Haus den Abhang hinunter in den Fluss kippten… Auch in Tansania ist die Landflucht groß und Dar zählt zu einer der am schnellsten wachsenden Städte Afrikas. Die meisten Landflüchtigen kommen auf der Suche nach Jobs nach Dar und siedeln sich dann in den ohne Planung entstandenen Außenbezirken an. Offiziell schätzt man Dars Einwohnerzahl auf 3 Mio., inoffiziell geht man von 4 Mio. aus. Übrigens ist Dar NICHT die Hauptstadt Tansanias; dies ist das wohl ziemlich hässliche und langweilige Dodoma im Landesinneren. Aber Dar ist, wie Casablanca auch, zumindest die Wirtschaftshauptstadt und das kulturelle Zentrum des Landes.

Soweit mein kleiner Exkurs: Mit Chenda, ihrer Schwester und einer Freundin unternahm ich ein paar Ausflüge in den Außenbezirken Dars: Markt, Shoppingcenter, Nyama-Choma-Essen (Grillfleisch, wohl das berühmteste Essen Tansanias) und am nächsten Tag besuchte ich zusammen mit Chenda eine Schule, an der sie ein Projekt vorstellen wollte. Wir kamen so ausgehungert dort an, dass die Sekretariatsdamen uns einfach ein Mittagessen bringen mussten 😉 Nachmittags schließlich musste ich mich auch schon von der sehr netten Familie Chendas verabschieden, denn ich hatte einen Billigflug mit Fastjet (Tochter von Easyjet) von Dar nach Arusha ergattert und musste wegen des Verkehrs zeitig genug zum Flughafen fahren.