Immer noch neue Ausflugsziele bei Jarabacoa – „La Confluencia“ und der Wasserfall Salto de Jimenoa Dos

Die Umgebung Jarabacoas – auch nach fast zwei Monaten ist sie noch für ein neues Ausflugsziel zu haben. So brachen Sarah und ich vergangenen Samstagmittag zu „La Confluencia“ auf, einem nördlich des Stadtzentrums gelegenen Zusammenflusses des Río Yaque del Norte und des Río Jimenoa auf. Auf der Straße hin zu diesem Ort wird es für dominikanische Verhältnisse erstaunlich ruhig, da La Confluencia quasi an einer Sackgasse liegt und wirklich nur Autos und Motorräder die Straße hinunterbrausen, die ausdrücklich zu diesem Ausflugsort wollen. Vor Ort ist es mit der Ruhe dann allerdings wieder vorbei: Nahe am Zusammenfluss steht eine kleine Bar, mit Plastikstühlen und -tischen draußen und der unvermeidlichen Bachata-Musik im Hintergrund. Jedes Auto, das vorfährt, wird sofort von einer Meute junger Kerle auf Pferden umringt. La Confluencia ist nämlich nicht nur eine beliebte Badestelle, sondern auch DER Ort in Jarabacoa um seine Kinder ein paar Runden reiten zu lassen. Klar, dass jeder Pferdebesitzer das nächste Kind „an Land“ bzw. eher „auf’s Pferd ziehen“ möchte. 😉

Sarah und ich packten, wie immer, unser Picknick aus und beobachteten das samstägliche Treiben unten am Fluss. Auf dem Rückweg kamen wir an einem Baseballfeld mit gerade laufendem Spiel vorbei, wobei ich überrascht war, wie langweilig der Spielverlauf war. Naja, vielleicht muss ich mich einfach nur mal mit den Regeln beschäftigen…

Sonntag wollten Sarah und ich den letzten der drei Wasserfälle Jarabacoas, den Salto de Jimenoa 2, in Angriff nehmen und so holten wir Ricky (aus dem Hostel Eco Aldea Casa Verde) und Samuel, ein guatemaltekischer Freund Sarahs, mit ins Boot. Ricky holte uns mit dem Hostel-eigenen Auto ab und so konnten wir durch eine herrliche grüne Berglandschaft hindurch bis zum Parkplatz vor dem Wasserfall fahren. Zum Wasserfall selbst muss man dann noch ca. 500 m über wackelige Hängebrücken laufen. Leider kommt man aber an den Wasserfall nicht so nah heran gelangen, wie es bei den beiden anderen der Fall gewesen war. Dafür aber führte dieser Wasserfall das meiste Wasser von allen dreien.

Den Nachmittag fuhren wir schließlich zur Eco Aldea Casa Verde (für mich also der zweite Besuch), wo wir nach einem leckeren Picknick noch im Fluss badeten und den Sonntag sehr gechillt ausklingen ließen.

Hippie-Hostel im Grünen, Karnevalshauptstadt La Vega & vier Kirchen

La Vega, die Karnevalshauptstadt der DomRep, ist eigentlich ziemlich hässlich, nur in der Karnevalszeit im Februar interessant und einfach nur ein Umsteigeplatz für die Weiterfahrt an die nördlichen Strände. Trotzdem wollte ich der Stadt eine Chance geben und sie mir anschauen. Ich übernachtete in einem supernetten und total entspannten Hippie-Hostel, Eco Aldea Casa Verde, in Bayacanes, einige Kilometer vor La Vega gelegen. Das graffitiverzierte Hostel mit Garten, Kuhweide und Flusszugang liegt herrlich im Grünen, die laute Hauptstraße ist vergessen und man findet sich in einer Hängematte umgeben von herumwatschelnden Enten und Hühnern und herumwuselnden Katzen und Hunden wieder. Richtig cool! Auch die Betreiber, Selma (aus der DomRep) und Ricky (aus Peru) sind richtig cool und empfingen mich sehr herzlich.

Bevor ich mir Samstagnachmittag jedoch La Vega anschaute, machte ich zunächst einen Abstecher ins weiter nördlich gelegene Moca, eine Industriestadt mit zwei imposanten Kirchenbauten. Die Stadt ist ebenso wie Santiago durch umliegende Anbauflächen für Kaffee, Tabak und Kakao geprägt, gut zum Shoppen geeignet und weißt meiner Meinung nach überdurchschnittlich viele Denkmäler (wichtige Politiker, ein Papst, ein Pater, eine Eisenbahn auf (!) einem Viadukt, Märtyrer im Kampf gegen die Trujillo-Diktatur, etc.) auf.

In La Vega traf ich schließlich auf die dritte, nun ja, beeindruckende Kirche des Tages: Erst dachte ich, es handele sich um ein Raumschiff oder einen Bunker, so merkwürdig sieht die Beton-Kathedrale von La Vega aus, die sich am Parque Duarte wie ein Fremdkörper in die Höhe reckt. Im gegenüberliegenden Museum zur religiösen Geschichte der Stadt erfuhr ich, dass die ursprüngliche Kathedrale aus bautechnischen Gründen hatte abgerissen und wieder neu aufgebaut werden müssen. Über die Umsetzung lässt sich streiten! Aber beeindruckend ist es schon, wenn man durch eine der riesigen Türen ins Kircheninnere tritt und das schlichte Innere sieht, das eher an eine skandinavische als an eine typische dominikanische Kirche erinnert.

Sonntag hatte ich Glück, dass mich Ricky mit dem hosteleigenen Auto mitnahm und wir uns so zwei Stätten etwas nördlich außerhalb von La Vega anschauen konnten, die ich sonst mit Guagua oder Motoconcho nur schlecht erreicht hätte. Zuerst besichtigten wir die Überreste von La Vega Vieja, das „Alte La Vega“. Das Alte La Vega war nach seiner Gründung durch Kolumbus 1494 zu gleichen Teilen von Spaniern und Taínos, meist zwangschristianisiert, bewohnt gewesen. 1562 wurde die Stadt von einem Erdbeben komplett zerstört (die Auswirkungen waren übrigens auch bis Santiago zu spüren) und dann einige Jahre später weiter südlich an ihrem heutigen Standort wieder aufgebaut. Die Ruinen stammen von einer Kirche und einem Fort, in dem zu Kolumbus‘ Zeit Gold gelagert wurde, welches die Taínos vor Ort abbauen mussten. Einer der Gründe übrigens warum die Taínos so schnell von Hispañola (DomRep + Haiti) verschwanden, war, dass die spanischen Kolonisatoren sie zu viel zu harter Arbeit, z. B. dem Graben nach Gold, zwangen. Eingeschleppte europäische Krankheiten taten ihr Übriges und so waren die Taínos bereits nach drei Jahrzehnten spanischer Herrschaft auf Hispañola fast ausgerottet.

Die vierte und letzte Kirche meines Ausflugswochenendes befand sich auf dem auf einem Hügel gelegenen Pilgerörtchen Santo Cerro. Wir kurvten die steile Straße entlang eines Pilgerfahrts nach oben und konnten schon von Weitem die sonntägliche Messe hören. Ich möchte nicht wissen, was für Menschenmassen am 24. September in Santo Cerro präsent sind, wenn die Schutzpatronin des Ortes, die heilige Jungfrau Virgen de las Mercedes, gefeiert wird (siehe Blogeintrag zu Constanza). Denn bereits nur zur sonntäglichen Messe saßen die Leute bis draußen vor der Kirche.  Von der Rückseite der Kirche hat man einen weiten, sehr schönen Blick ins Cibao-Tal bis nach Santiago. In Santo Cerro fand übrigens, der historischen Vollständigkeit halber, 1495 eine entscheidende Schlacht zwischen den Taínos und den Spaniern statt. Kolumbus hatte nämlich an diesem Ort ein Holzkreuz aufstellen wollen, welches die Taínos verbrennen wollten. Durch eine Erscheinung der Virgen de las Mercedes jedoch wurde dies verhindert; die Taínos legten ihre Waffen nieder und ließen sich teilweise freiwillig taufen. Soweit die Legende…

P. S.: Meine Spendenaktion bei betterplace läuft weiter: Für die Finanzierung meiner Arbeit im November fehlen noch 110,05 Euro. Wer spendet als nächstes für meine Kampagne „1 Kaffee weniger, 1 Spende mehr. Euer Beitrag zum Regenwaldschutz (DomRep)“?