Sintra und das kunterbunte „portugiesische Schloss Neuschwanstein“

Als ich das kunterbunte „Schloss Neuschwanstein“ Portugals zum ersten Mal in einer Broschüre gesehen hatte, war mir klar, dass ich es unbedingt einmal bei einer Portugalreise besuchen müsste, einfach, weil es so abgefahren aussah. Da es von Lissabon aus nur etwa 1,5 Zugstunden entfernt lag, sollten wir den Plan also in die Tat umsetzen und zunächst in den vorgelagerten Touristenort Sintra fahren. Auch dort gab es wieder einmal zwei berühmte Süßigkeiten , die „Travesseiros“ (mit Mandelcreme gefüllte Teig“kissen“) und die „Queijadas“ (mit Frischkäse gefüllte Blätterteigteilchen), deren Kalorien wir beim anschließenden Fußmarsch hoch auf den Berg gleich wieder abarbeiteten. Zunächst gelangten wir zu einer herrlich gelegenen ehemaligen maurischen Burg, die ähnlich wie die Burg in Leiria, später von den christlichen portugiesischen Königen zurückerobert worden war. Von dort aus führte ein Weg bis zum bunten und eklektizistischen „portugiesischen Schloss Neuschwanstein“ à la Palácio Nacional da Pena (Kummerpalast). In diesem auf Anordnung von Ferdinand II., einem Deutschen, der damals portugiesischer Titularkönig, d. h. nicht regierender Monarch, war, erbauten Schloss mischten sich alle Stile: ein marokkanisches Eingangstor, etwas Neugotik, ein paar orientalisch angehauchte Türmchen, eine Prise Neo-Manuelinik ,Neo-Renaissance und natürlich durften auch die portugiesischen Azulejos nicht fehlen. Innen konnte man noch die Einrichtung der Königsfamilie besichtigen, so wie als hätte diese gerade eben erst das Haus verlassen. Für die anderen in der Umgebung liegenden bunten Schlösschen hatten wir leider keine Zeit, aber diese sind auf jeden Fall ein weiterer Grund, noch einmal in diese Gegend zu reisen.

Pilgerort Almada

Almada ist eine auf der anderen Meeresarmseite gelegene Vorstadt Lissabons, die genau eine Sehenswürdigkeit hat, die man in Lissabon von fast überall aus der Ferne sehen kann: eine 28 m hohe Christusstatue, Cristo Rei, auf die man hinauffahren und einen weiten Blick über Lissabon, Almada und Umgebung hat. Gesagt, getan. Wir nahmen die Fähre von Lissabon und Almada, wo wir anschließend per Tram und per pedes hinauf zum Platz um die Christusstatue herum gelangten. Dort sah man die Einrichtungen eines lebhaften Pilgertourismus‘: eine Pilgerherberge, sowie einige Restaurants und Souvenirläden. Als wir an der Kasse anstanden, mussten wir uns durch eine große Rentnerreisegruppe aus spanischen Pilgern kämpfen und konnten dann per Aufzug in einem Nu nach oben fahren. Dann noch einige hundert Treppenstufen zu Fuß und wir waren oben auf der Aussichtsplattform angelangt. Der Ausblick war besonders schön, da wir genau zur Dämmerungszeit oben waren. Der Verkehrslärm der nahegelegenen Vasco-da-Gama-Brücke drang bis nach oben und klang wie ein summender Bienenschwarm. Beim Blick auf das alles umgebende Wasser, konnte man sich gut vorstellen, wie vor einigen Jahrhunderten die ersten portugiesischen „Entdeckerschiffe“ in die weite Welt aufgebrochen waren.

Lissabon, ein einziges Training für die Wadenmuskeln

Am Sonntagabend machten wir uns per Bus von Peniche aus nach Lissabon auf, wo wir eine Woche verbringen sollten. Diese Dauer ist bei Lissabon auf jeden Fall auch angebracht, zumal wir einige Ausflüge in die Umgebung machten, aber es noch nicht einmal schafften in viele Museen zu gehen. Naja, es muss ja immer einen Grund geben noch einmal wiederzukommen! Eine Lektion lernte ich aber recht schnell: Beim nächsten Lissabonbesuch würde ich definitiv ohne Rollkoffer kommen! Die Straßen sind nicht nur ziemlich steil, sondern hauptsächlich nur mit Kopfsteinpflaster versehen und zudem oft über Treppen verbunden, was sehr an den Montmartre in Paris erinnert. Auf jeden Fall: Ein Graus für jeden Rollkoffer! Nachdem wir dann nach einigem Suchen unsere AirBnB-Ferienwohnung gefunden hatten, waren wir erst einmal „knülle“ und mussten uns ein stärkendes portugiesisches Abendessen gönnen.

Am ersten Tag in Lissabon hatte Yasmin Geburtstag und so hatte ich im Vorfeld Karten für das Ozeanarium im ehemaligen Expogelände der Stadt besorgt. Im Ozeanarium sind alle Weltmeere in riesigen Wasserbecken nachgebaut worden und man kann all das Leben unter Wasser an großen Glasscheiben bestaunen und beobachten. Es gab schon echt bizarres Getier dort (siehe Fotos unten); vor allem hinterher im Souvenirshop! 😉 Nach einigen Stunden im Ozeanarium waren wir froh noch etwas Sonne abzubekommen und schlenderten im ehemaligen Expogelände umher, das v. a. durch seine ungewöhnliche Architektur beeindruckte.

Die nächsten Tage nutzten wir bergauf bergab zum Sightseeing in Lissabons Stadtzentrum. Die Stadt ist echt gut geeignet um die Wadenmuskeln zu trainieren. 😉 Natürlich durfte eine Fahrt in der berühmten Straßenbahn nicht fehlen, was schon sehr abenteuerlich aussieht, wenn sie sich die steilen, engen Straßen nach oben windet. Vom arabisch geprägten Stadtviertel rund um die Station „Martin Moniz“ aus liefen wir dann den ganzen Nachmittag über die Burg (Castelo) nach Alfama und waren erst abends wieder unten am Wasser angekommen. Das Ausgehviertel Bairro Alto nahmen wir uns an zwei späteren Abenden der Woche vor. Natürlich war diesmal der Besuch einer Fadokneipe obligatorisch, da wir dies ja in Coímbra verpasst hatten. Wir hatten das Glück schon sehr zeitig da gewesen zu sein, denn die meisten Plätze waren bereits reserviert worden und kurz vor Beginn der Fadokonzerte war die Kneipe rammelvoll – überwiegend Touristen, v. a. Franzosen und Deutsche (wie unschwer an deren „Jack-Wolfskin-Jacke“ zu erkennen war 😉 ). Der Fadogesang war mal mehr mal weniger gut, wurde aber stets mit viel Applaus gewürdigt. Bei traditionellem Fado allerdings darf weder gesprochen noch applaudiert werden. Naja, vermutlich ein Zugeständnis an die unwissenden Touristen.

Die einzigen richtigen Museen, die wir in Lissabon besuchten, waren zum einen das sehr lohnenswerte Museo do Oriente mit vielen Exponaten aus Portugals ehemaligen Kolonien (und die Portugiesen waren gefühlt überall gewesen!) und zum anderen das Hieronymuskloster im Stadtteil Belém (portug. für Bethlehem). In Belém mussten wir jedoch zunächst einmal etwas ganz anderes machen, nämlich die extrem leckeren Pasteis de Belém, die süße Spezialität des Ortes, testen. Natürlich waren die Pasteis-Bäckereien vollkommen mit Touristen überlaufen und die Preise auch dementsprechend hoch, aber geschmacklich waren die mit Flanpudding gefüllten Küchlein einfach ein Traum! Danach konnten wir gestärkt die Sehenswürdigkeiten des Stadtviertels in Angriff nehmen: das riesige Entdeckerdenkmal, das Hieronymuskloster mit Ausstellungen zum Cavaquinho, einer portugiesischen Minigitarre, und zur Geschichte des Landes, sowie den Torre de Belém. Und da wir an diesem Tag noch nicht genug hatten, fuhren wir noch mit dem Zug weiter nach Westen und statteten dem kleinen Örtchen Cascais einen Besuch ab. Durch das Seebad Estoril, in dessen Casino ein James-Bond-Film gedreht worden war und wo sich im zweiten Weltkrieg viele Flüchtlinge aus ganz Europa niedergelassen hatten, fuhren wir jedoch nur flux mit dem Zug durch.

Die letzten beiden Tage in Lissabon verbrachten wir mit Shopping (sehr gute Schuhauswahl) und schlenderten Samstagmorgen über einen riesigen Flohmarkt rund um das Pantheon der Stadt. Auf die Rückkehr in weihnachtliche Berlin hatte uns auch Lissabon schon ganz gut vorbereitet: Überall blinkten nachts die Geschenke- und Sternegirlanden und auf einem der großen Plätze im Stadtzentrum hatte man aus Lichtern ein großes Geschenk aufgebaut. Von der amerikanischen Weihnachtsmusikdudelei in allen Supermärkten ganz zu schweigen :-S Weihnachten, du schöne Zeit oder Boas Festas!

Peniche und Baleal – Surferparadies in der Nebensaison

Von Leiria aus fuhren wir mit einem direkten Bus Richtung Südwesten nach Peniche, einem der Suferhotspots Portugals an der Atlantikküste. Yasmin hatte nämlich einen Surferkurs im Nachbardorf Baleal gebucht und ich wollte mir in dieser Zeit die Festung Peniches anschauen, die zu Zeiten der Salazar-Diktatur ein Gefängnis gewesen war. Ursprünglich hatten wir geplant ein Hostel in Baleal zu buchen, doch aufgrund der Nebensaison wurde das von uns ausgesuchte Hostel gerade renoviert. Die Besitzerin, Zé, bot uns jedoch an bei ihr im Haus im Gästezimmer zu übernachten, was wir gerne annahmen. Wir hatten ein Zimmer ganz oben im Haus mit kleiner Dachterrasse, von der wir einen herrlichen Blick aufs Meer und die umliegenden Häuser hatten. Die umliegenden Häuser waren allerdings wenig herrlich – weißgestrichene blockartig zusammengedrängte Bettenburgen ohne jegliche Individualität, scheußlich! Was in dem Ort los ist, wenn dort im Sommer Horden von Surfern einfallen und die weißen Bettenburgen bevölkern, möchte ich gar nicht wissen…

Während sich Yasmin also am nächsten Morgen in die Fluten des Atlantiks stürzte, gurkte ich mit einem alten Fahrrad Zés nach Peniche und besichtigte die Festung. Darin war zum einen das didaktisch sehr altmodisch aufgemachte Stadtmuseum untergebracht und ich lernte, dass Peniche die portugiesische Klöppelhauptstadt sei. Später entdeckte ich sogar noch ein Denkmal einer klöppelnden Frau im Zentrum. Ich wusste gar nicht, dass diese Art der Handarbeit so verbreitet ist, denn ich hatte die hässlichen geklöppelten Spitzentischdeckchen das letzte Mal als Kind im Dresdner Stadtmuseum gesehen. Nun gut, man lernt nie aus!

Des Weiteren war in der Festung zu Salazars Zeiten ein Gefängnis für Oppositionelle eingerichtet gewesen und man konnte sich die Gefängniszellen anschauen und einiges über die Geschichte erfahren, auch wenn alles nur auf Portugiesisch erläutert war. Danach machte ich einen Spaziergang auf einer weit ins Meer hinausragenden Landzunge, an der sich die Wellen meterhoch und nicht ganz ungefährlich zerbrachen. Peniche war einst, wie uns Zé erzählt hatte, ein wichtiger Fischereihafen Portugals gewesen, doch mit der Wirtschaftskrise sei diese Branche völlig eingebrochen. Die Stadt wirkte auch ziemlich verlassen und nur da Sonntag war, hatten sich ein paar mehr Menschen vor der Kirche versammelt – gegenüber von verlassenen Geschäften, deren Fenster mit Packpapier zugehangen waren…

Zwischenstop in Leiria

In Leiria legten wir nur einen kurze Übernachtungszwischenstop auf dem Weg nach Peniche an der Atlantikküste ein. Wir kamen nach Einbruch der Dunkelheit an und beeilten uns bibbernd ins Hotel zu kommen, denn im Gegensatz zu Coímbra war es richtig kalt hier. Den Abend verbrachten wir in einem goanischen Restaurant, d. h. mit Küche aus dem indischen Bundesstaat Goa. Sehr lecker und eine willkommene Abwechslung!

Am nächsten sehr sonnigen Morgen stapften wir hinauf zur Burg von Leiria, die im 12. Jahrhundert vom portugiesischen König Alfons I. erbaut wurde, nachdem die Stadt im Zuge der so genannten Reconquista von den Mauren zurückerobert worden war. Von oben hatte man einen guten Ausblick auf das Umland und auf dem Abstieg statteten wir noch dem am Weg liegenden Filmmuseum einen Besuch ab. Es ist ziemlich klein und filmgeschichtlich gesehen hat man nichts verpasst, wenn man nicht hineingeht…

Gelebte Studententraditionen in der Unistadt Coímbra

Coímbra empfing uns zwar mit Regen, aber wir wurde am Bahnhof netterweise von Couchsurferin Ana eingesammelt, die uns mit zu sich in ihre Mädels-Dreier-WG nahm, wo wir die kommenden beiden Nächte bleiben würden. Was hatten wir für ein Glück bei diesen Mädels untergekommen zu sein! Wir erfuhren so nämlich sehr viel über die Studententraditionen Portugals, insbesondere die Coímbras, und die damit verbundenen Bräuche, Feste und „Accessoires“. Bereits in Aveiro waren wir nachts auf eine Ansammlung Studenten getroffen, die dabei waren eine Art Spiel oder Aufnahmeritus durchzuführen, Sprüche in die Nacht riefen, umhertanzten uns sangen. Die älteren Semester in langen schwarzen Harry-Potter-artigen Umhängen striezten die Erstsemester mit kleinen fiesen Aufgaben und Gängeleien. In Coímbra erzählten uns die Mädels, dass sich diese Rituale v. a. nachts über das ganze erste Studienjahr hinziehen und man sich, wenn man nicht gleich sozial isoliert werden will, der Sache stellen muss. In Coímbra sahen wir nachts eine Gruppe Studenten rund um ein Denkmal versammelt, wobei die armen Erstsemester im Pyjama anzutanzen hatten. Wir hörten des Weiteren von der Sitte, dass Erstsemester in ihrem ersten Jahr nicht nach Mitternacht von einem der höheren Semester in einer Kneipe o.ä. gesichtet werden dürfen, da dies eine Bestrafung nach sich ziehe. Gut, dass ich nicht in Coímbra studiert habe! 😉

Als wir am nächsten Morgen die berühmte Universität auf dem Hügel der Stadt besichtigten und den weitläufigen Campus betraten, war von der Ersti-Gängelei erst einmal nichts mehr zu spüren. Studenten in schwarzer Uniform und Umhang wuselten über den Campus und erzählten Touristengruppen sichtlich stolz von ihren Traditionen und dem Unileben. Wir besichtigten die berühmte, unter UNESCO-Weltkulturerbe stehende Universitätsbibliothek Biblioteca Joanina und noch einige repräsentative Räumlichkeiten der Uni. Das interessante in der Bibliothek war, dass sie dort Fledermäuse halten, damit sie die Insekten, die die Bücher anknabbern könnten, auffressen. A propos Essen: Wir gönnten uns an diesem Tag ein Octopusgericht in der Mensa, was echt lecker und natürlich sehr preisgünstig war.

Neben der Universität ist Coímbra auch für eine bestimmte Art der Fado-Musik bekannt, nämlich ein Fado, der nur von Männern gesungen wird. Leider verpassten wir es in eine der Fadokneipen zu gehen, um uns diese Musik anzuhören. Aber zumindest beim Vorbeigehen an den Souvenirläden in der hügeligen, verwinkelten Altstadt verfolgte einen die Fadomusik auf Schritt und Tritt. Und in Lissabon sollten wir noch genug Gelegenheit finden, diese Musik live zu hören.

Aveiro – Jugendstil am Kanal

Nachdem wir Porto einige Tage lang unter die Lupe genommen hatten, nahmen wir den Zug Richtung Süden an die an einer Lagune gelegene Kleinstadt Aveiro. Übrigens ist Zugfahren in Portugal um einiges billiger als Busfahren! Gestreikt wurde aber während unseres Aufenthalts auch einen Tag…

In Aveiro hatten wir ein sehr nettes, schön ein- und auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Ökohostel gebucht. Ein Tag reichte aus, um die Stadt zu erkunden. Im Jugendstilmuseum besorgten wir uns einen Stadtplan, in dem alle interessanten Jugendstilhäuser der Stadt verzeichnet waren, und klapperten diese Haus um Haus ab. Manche waren in Top-, viele aber auch in eher desolatem Zustand. Durch die Stadt schlängelte sich ein Kanal, auf dem ähnlich wie in Venedig, Gondeln zum Herumschippern gemietet werden konnten. Den Tourihäschern am Kanal konnten wir jedoch erfolgreich ausweichen und nahmen uns nachmittags zumindest zwei Fahrräder, die man kostenlos in der Innenstadt ausleihen konnte. Doch die Räder waren solche ollen Möhren, dass wir damit nicht weit kamen und froh waren, sie schnell wieder zurückgeben zu können. Am Abend fuhren wir weiter gen Süden nach Coímbra. Auf die dort gelebten Studententraditionen hatten wir in der einen Nacht in Coímbra schon Bekanntschaft gemacht…

Kurze Stippvisite in Braga, dem „portugiesischen Rom“

Studentenstadt bzw. 2012 „Europäische Jugendhauptstadt“ & portugiesisches Rom, Barock & Klotzmoderne – Braga ist von Gegensätzen geprägt. Wir hatten leider nur Zeit für eine kurze Stippvisite in der nordöstlich von Porto gelegenen Stadt, da ich die Daten unserer Übernachtungsmöglichkeit in Porto beim Buchen verwechselt hatte und wir die letzte Nacht in Porto noch in ein Hotel umziehen mussten.

So schauten wir uns im Sauseschritt die von vielen Kirchen- und Klosterbauten (deswegen der Verweis auf Rom) geprägte Stadt an und aßen zum Mittag die Spezialität der Stadt, eine Art mit Hackfleisch gefüllte Blätterteigtasche (den genauen Namen habe ich leider vergessen). Danach lernten wir beim Espressotrinken in einem Café eine wichtige Lektion: Das Kaffeetrinken an einem der Tische draußen ist etwas teurer, als wenn man sich drin im Café bedienen lässt. Trinkt man seinen Kaffee direkt an der Theke, ist es am günstigsten. Das sollten wir morgens v. a. später beim Espressotrinken in Lissabon kurz vor dem Start zur Sightseeingtour noch oft beobachten: Alle, die morgens ein Café betraten, bestellten sich einen Espresso und ein süßes Teilchen an der Theke, hielten oft einen kurzen Plausch mit dem Wirt und zogen dann weiter. Vor allem ältere Leute haben noch diese Gewohnheit. Meist können Sie sich dann auch nicht auf einen entspannten Rentnertag freuen, sondern müssen vielfach arbeiten, um sich ihre mickrige Rente aufzubessern. So sieht man in vielen Restaurants, Cafés und Läden Mitarbeiter, die in Deutschland bereits die Rente genießen könnten. Die jungen Portugiesen zieht es ja zudem, wie im letzten Artikel beschrieben, für die Jobsuche zumeist ins Ausland. Das kuriose dabei ist, dass viele Portugiesen mittlerweile Jobs in den ehemaligen portugiesischen Kolonien, insbesondere Angola und Mosambik, annehmen.

Auf dem Rückweg zum Busbahnhof kamen wir an vielen hässlichen Klotzbauten vorbei, die die Fußgängerzone prägen. Dazwischen eingeklemmt: Barocke Kirchen. Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an.

Porto oder: Was hat eigentlich ein Emu mit Portwein zu tun?

Was sollte man tun, um dem Berliner Novembergrau zu entkommen? Richtig, der Stadt den Rücken zukehren und gen Süden reisen! So war der Plan als Yasmin und ich am 21. November den Flieger nach Porto nahmen und zwei Wochen Portugal vor uns lagen. Trotz diverser Regen- und anderer Schlechtwetterwarnungen wegen der Atlantiknähe des Landes war es eine sehr gute Idee gewesen im November dorthin zu fahren. Denn erstens meinte es das Wetter bis auf etwas Regen in Porto und Coímbra sehr gut mit uns, zumindest war es viel sonniger , heller und anfangs wärmer als in Berlin (naja, kein Kunststück!) und zweitens konnten wir so die Touristenmassen umgehen, die wohl sonst das Land in der Hochsaison bevölkern. Der erste „Kulturschock“ im positiven Sinne erwartete uns am Flughafen von Porto, dessen moderne, stylische Architektur in keinster Weise mit einem mickrigen Flughafen à la Schönefeld zu vergleichen ist. Auch unsere Ferienwohnung bei einem AirBnB-Pärchen war bis auf den letzten Zentimeter durchgestylt und perfekt komponiert. Den zweiten Kulturschock bzw. der, der sich über den ganzen Aufenthalt in Portugal hin entwickelte, erhielten wir beim Essen in einem der kleinen traditionellen Snackrestaurants, wie man sie zuhauf an jeder Ecke findet. Die Auswahl an süßen Teilchen war grandios – beim ersten Bissen dachte man jedoch schon fast daran Diabetis zu bekommen… Die herzhaften Snacks waren meist frittiert; Salateilagen unbekannt. Diese sehr kohlenhydratreiche Küche sollte an einigen Tagen unserer Reise in uns noch einen wahren Heißhunger auf frische Orangen und Tomaten wecken…

Wie kann man Porto nun als Stadt beschreiben? Sehr bergig, schmale, bunte Häuser, von denen viele jedoch einen eher maroden Charme versprühten, vor sich hinmoderten, deren Fenster mit Papier abgehangen waren und die vielfach zum Verkauf standen. Daneben schöne Jugendstilhäuser, azulejogetäfelte Kirchen (Azulejo = typische portugiesische Keramikfliesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Azulejo) bzw. die berühmte azulejogeschmückte Bahnhofsvorhalle, urige Buchläden, Portweinkeller. Trotz der sichtbaren Wirtschaftskrise eine schöne, vor allem schön am Douro und auf den Hügeln gelegene Stadt! Den Fluss überquert man übrigens über die Brücke Dom Luís I, die ein bisschen wie der auf die Seite gelegte Eiffeltum aussieht. Und tatsächlich: Sie ist made by Gustave Eiffel!

In Porto trafen wir uns einen Abend mit Luís und einigen seiner Freunde, den ich noch aus Marokko kannte, und der, ungewöhnlich für die derzeitigen jungen Portugiesen, vor drei Wochen nach Portugal zurückgekehrt war. Zu diesem Thema gibt es hier einen schönen ZEIT-Artikel. Zur Feier des Abends gingen wir dann (im wahrsten Sinne des Wortes) richtig fett traditionell portugiesisch essen (natürlich gab es den „Nationalfisch“ Bacalhau – hier ein interessanter Artikel dazu) und lernten hinterher das lebhafte Nachtleben Portos kennen, das sich dank der milden Temperaturen mehrheitlich draußen abspielte.

Am nächsten Tag besichtigten wir das Museum für moderne Kunst „Serralves“, das uns neben der Ausstellung sowohl mit seiner Architektur als auch dem riesigen rundherum angelegten Park und dem dazugehörigen Bauernhof beeindruckte. In PORTo durfte natürlich auch eine Besichtigung einer der PORTweinkellereien nicht fehlen. Wir begaben uns auf die andere Flussseite und buchten eine Besichtigungstour bei „Ferreira“, eine interessante Wahl wie sich herausstellte: Die Traditionsfirma wurde im 18. Jahrhundert von einer Frau, Dona Antónia Adelaide Ferreira, geleitet und hat bis heute einen Emu als Markenzeichen. Was hat denn nun ein Emu (bzw. Nandu wie auf der Homepage geschrieben wird) mit Portwein zu tun, könnte man sich fragen. Eigentlich gar nichts! Die PR-Beauftragten damals wollten einfach nur ein ungewöhnliches Logo fern von klassischen Emblemen wählen. Das hat ja offensichtlich gut funktioniert! Denn der Emu schmückte den Ferreira-Portwein bis heute und zum Abschluss der Kellereiführung durfte natürlich eine Kostprobe nicht fehlen!